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der Herr verschwunden. Jener aber dankte ihm für die Gnade, undsolange er lebte, hat er ihn im Herzen getragen und ihm gedient inGehorsam und unwandelbarer Treue.
SS. Gudrun.
A. Ernst. Aus Ernst u. Tews, Deutsches Lesebuch für Mädchenschulen.
I. Gudruns Verlobung. Im Hegelingenlande an der deut-schen Nordseeküste herrschte in alten Zeiten der mächtige König Hettel.Ihm und seiner Gemahlin Hilde erblühten zwei Kinder: Gudrunund Ortwin. Gudrun war von wunderbarer Schönheit; aber siewußte es nicht, weil niemand ihr davon sagte. Sie schaute mit ihrenblauen Augen fröhlich in die Welt hinein und erwuchs zu einerblühenden, anmutigen Jungfrau, die jedermann gern hatte. Dabei warsie so stark, „daß sie ein Schwert tragen konnt', als wäre sie ein Ritter."
Der Ruf von ihrer Schönheit und ihren herrlichen Tugendendrang in alle Lande. Viele Freier warben um sie, wurden aber schnödeabgewiesen, weil Hettel sich nicht von seiner lieblichen Tochter trennenwollte. Unter den Abgewiesenen waren auch die drei Könige Sieg-fried von Moorland, Hartmut von der Normandie und Herwigvon Seeland. Letzterer wollte sich nun die herrliche Königsmaidmit Gewalt ertrotzen und rückte mit 3000 Mann vor Hettels Burg.Gudrun stand am Fenster und schaute dem grimmen Kampfe zu. Alssie die tapferen Thaten des Heldenjünglings sah, zog die Liebe in ihrHerz ein; sie bewog ihren Vater, dem Kampfe Einhalt zu thun undHerwig in die Burg kommen zu lassen. Der wackere Jüngling gewanndurch seinen edlen Anstand vollends Gudruns Herz, und die Elternwilligten in die Verlobung, die am nächsten Tage fröhlich gefeiert wurde.
II. Gudruns Entführung. Das Glück der Verlobten waraber nur von kurzer Dauer. Der abgewiesene Siegfried von Moor-land war zornig in Herwigs Land eingefallen und wütete darin mitMord und Brand. Herwig mußte heimeilen, sein Land zu schützen.Auch Hettel zog mit seinen Mannen dem Eidam zu Hilfe. Währendso das Hegelingenland von Verteidigern entblößt war, kam der listigeKönig Ludwig von der Normandie mit einem starken Heere, um dieschöne Gudrun für seinen Sohn Hartmut zu gewinnen. Da Gudrunnicht freiwillig folgen wollte, führte er sie samt 62 Jungfrauen ge-fangen hinweg.