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noch kommen werde, sie zu erlösen. Bis dahin wollte sie lieber alleSchmach, alle Versuchung und selbst den Tod erdulden, als sich mit demKleide der Untreue schmücken, moch te dasselbe auch von Seide und Gold sein.
Als Hartmut erkannte, daß seine Werbung aussichtslos sei, über-ließ er die unglückliche Gudrun wieder ihrer Peinigerin, der boshaftenGerlinde. Gudruns Behandlung wurde immer härter; sie mußte jetzttäglich barfuß zum steinigen Meeresstrande gehen und dort die Wäscheder Königin und des Gesindes waschen. Auf vieles Bitten wurde dertreuen Hildburg endlich gestattet, ihre frühere Herrin zu begleiten undihr Los zu teilen. Die beiden Jungfrauen klagten nun zusammen den
wilden Wogen und den SchwänenIV. Gudru
1. Nun geht in grauer Früheder scharfe Märzenwind,
und meiner Qual und Müheein neuer Tag beginnt.
Ich wall' hinab zum Strandedurch Reif und Dornen hin,zu waschen die Gewändeder grimmen Königin.
2. Das Meer ist tief und herbe,doch tiefer ist die Pein,
von Freund und Heimatserbeallzeit geschieden sein;doch herber ist's, zu dienenin fremder Mägde Schar,und hat mir einst geschienendie güld'ne Krön' im Haar!
3. Mir ward kein guter Morgen,seit ich dem Feind verfiel;mein Speis' und Trank sind Sorgenund Kummer mein Gespiel.
Doch berg' ich meine Thränenin stolzer Einsamkeit;
am Strand den wilden Schwänenallein sing' ich mein Leid.
ihr herbes Leid.ns Klage.
4. Kein Dräuen soll mir beugenden hochgemuten Sinn;ausduldend will ich zeugen,
von welchem Stamm ich bin!Und so sie hold gebaren,wie Spinnweb acht' ich's nur!Ich will getreu bewahrenmein Herz und meinen Schwur.
5. O O r tw in, trauter Bruder,o Herwig, Buhle wert,
was rauscht nicht euer Ruder,was klingt nicht euer Schwert!Umsonst zur Mecreswüstehinspäh' ich jede Stund';doch naht sich dieser Küstekein Wimpel, das mir kund.
6. Ich weiß es: nicht vergessenhabt ihr der armen Maid;
doch ist nur kurz gemessendem steten Gram die Zeit.
Wohl kommt ihr einst, zu sühnen;zu retten, ach, zu spät,wann schon der Sand der Dünenum meinen Hügel weht!