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so?" — „Nicht übermäßig", erwiderte ich. — „Thut nichts!" sagte er;„es ist dies einer der Übergänge, die jeder durchmachen muß, der etwaserreichen will. Ich kann es nicht leugnen, daß ich augenblicklich aufeinem Riffe festsitze; aber ich sehe die Welle schon kommen, die michwieder flott machen und in die Höhe schleudern wird. Im Vertrauengesagt: ich habe — und das ist viel Wert — einsehen gelernt, daßsich nur mit Börsengeschäften etwas gewinnen läßt. Sobald ich dieMittel..." Ein Herr trat auf ihn zu und händigte ihm ein Paketund ein Briefchen ein, — „Rosenstraße 77 abzugeben. Machen Sieschnell!" — „Auf Wiedersehen!" rief er mir zu und ging seines Weges.
Seitdem hab' ich ihn nur noch einmal gesehen. Auf einemPlatze mitten in der Stadt traf ich ihn an. Da saß er auf einer Bankin der Sonne, ganz zerlumpt und heruntergekommen, mit mehrerenandern von der Menschenart, die nichts ist, nichts hat und nichts mehrwerden kann. Als er meiner ansichtig wurde, stand er mühsam aufund wankte davon. Aber einmal wendete er sich doch noch um undwarf mir einen Blick zu, welcher Wohl sagen sollte: „Es ist nur einÜbergang!" — Das glaub' ich auch; — aber der letzte.
Deutsches Lesebuch von Engelien u. Fechner.
78. Der Wegweiser.
Joh. Peter Hebel, Allemannische Gedichte.
heisch, wo der Weg zum Mehlfaß isch,zum volle Faß? Im Morgerotmit Pflueg und Charst dnr's Weizefeld,bis Stern und Stern am Himmel floht.
Me hackt, so lang der Tag eim hilft,me luegt nit um und blibt nit floh;druf goht der Weg dur's Schiire-Tennin L'Chuchi, und do Hemmers jo!
Meisch, wo der Weg zum Gulden isch?Er goht de rote Chrüzere no,und wer nit uffe Chrllzer luegt,der wird zum Guide schwerli cho.
Wo isch der Weg zur Sunntig-Freud?Gang ohni G'fohr im Werchtig nodur d'Werkstatt und dur's Ackerfeld!Der Sunntig wird scho selber cho.
Am Samstig isch er nümme wit;was deckt er echt im Chörbli zue?Denkwol, e Pflindli Fleisch ins Gmiies,'s cha sy, ne Schöppli Wi derzue.
Meisch, wo der Weg in d'Armet goht?Lueg numme, wo Tasäre sin!
Gang nit verbei, 's isch guete Wi,
's sin nagelneui Charte d'inn!
Im leiste Wirtshus hangt e Sack,und wenn de fürt gohsch, henk en a!„Du alte Lump, wie floht der nitder Bcttelsack so zierlig al"
Es isch e hölzene Becher drinn;gib Achtig drus, verlier en nit,und wenn de an e Wässerli chunnschund trinke magsch, so schöpf dermit!