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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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Wo ifch der Weg zu Fried und Ehr,der Weg zum gucken Alter echt?

Grad fürst goht's in Mäßigkeitmit stillem Sinn in Pflicht und Recht.

find wenn Le amme Chrüzweg stohschund nümme weisch, wo's ane goht,halt still und frog di G'wisse z'erst,

's cha dülsch, Gottlob, und folg fi'm Rot!

Wo mag der Weg znm Chilchhof fy?Was frogsch no lang? Gang, wo de wilt!Zum stille Grab im chüele Grundführt jede Weg, und 's fehlt st nit.

Doch wandle du in Gottes Furcht!i rot der, was i role cha!

Sel Plätzli het e gheimi Thür,und 's sin noch Sachen ehne dra.

7N. Hans Luftig.

Rob. Reinick, Märchen, Lieder und Geschichten. (Wenig gekürzt.)

^ber den Hans Lustig noch nicht kennt, dem will ich ihn be-schreiben, damit er seine Bekanntschaft machen kann. Hans Lustigwar armer Leute Kind; sein Vater war Schuhflicker, seine MutterWäscherin. Er war ein kleiner, breitschultriger Junge, auf seinem kurzenHalse stand ein dicker Kopf; die langen, weißblonden Haare hingenihm wie ein altes, zerfetztes Strohdach über Stirn und Nacken. Dar-unter guckten ein Paar ganz kleine. Pfiffige, blanke Augen hervor.Zwischen den frischen, roten Backen saß eine breite, kleine Stumpfnaseganz freundlich mitten drin und schaute so hoch nach dem Himmel indie Höhe, daß man die Nasenlöcher schon von weitem erkennen konnte.Sein Mund war an und für sich schon breit genug; weil Hans aberfast immer so gutmütig schmunzelte, ward er dadurch noch viel breiter.Jeder, der ihn ansah, hatte seine Freude an dem muntern Jungen;denn wie aus seinen zerrissenen Kleidern ein kräftiger, gesunder Körper,ein Paar braune, feste Arme hervorguckten, so schaute aus seinen nichtgerade sehr schönen Gesichtszügen ein frischer, lustiger Sinn hervor,so daß er seinen Namen nicht umsonst führte.

Hans Lustig hat schon als kleines Kind selten geweint, dagegenaber immer sehr viel gelacht. Wenn die Mutter auf der Bleiche Wäschetrocknete, so legte sie ihn gewöhnlich seitab unter einen hohen Apfel-baum. Da lag er denn ganz glücklich in dem weichen, hohen Graseund sah mit seinen roten Backen aus, als wär' er selber ein Äpfelchen,das der Baum heruntergeschüttelt. Wenn ein Schmetterling über ihnhinflog, oder ein Vogel auf dem Baum über ihm sein Liebchen pfiff,strampelte er vor Vergnügen mit Händen und Beinchen, obgleich keinMensch sich mit ihm abgab. Nur der gute Mohr, der alte, zottige