Buch 
Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
Entstehung
Seite
177
JPEG-Download
 

177

VIII.

Nun zerbrecht mir das Gebäude,seine Absicht hat's erfüllt,daß sich Herz und Auge weidean dem wohlgelungnen Bild.

Schwingt den Hammer, schwingt,bis der Mantel springt!

Wenn die Glock' soll anserstehen,muß die Form in Stucken gehen.

Der Meister kann die Form zerbrechenmit weiser Hand, zur rechten Zeit;doch wehe, wenn in FlammenbächenLas glüh'nde Erz sich selbst besreit!Blindwütend, mit des Donners Krachenzersprengt es das geborst'ne Haus,und wie aus offnem Höllenrachenspeit es Verderben zündend aus.

Wo rohe Kräfte sinnlos walten,da kann sich kein Gebild gestalten;wenn sich die Völker selbst befrein,da kann die Wohlfahrt nicht gedeihn.

Weh, wenn sich in dem Schoß der Städteder Feuerznnder still gehäuft,das Volk, zerreißend seine Kette,zur Eigenhilfe schrecklich greift!

Da zerret an der Glocke Strängender Aufruhr, daß sie heulend schalltund, nur geweiht zu Friedensklängen,die Losung anstimmt zur Gewalt.

Freiheit und Gleichheit! hört manschallen;

der ruh'ge Bürger greift zur Wehr,die Straßen füllen sich, die Hallen,und Würgerbanden ziehn umher.

Da werden Weiber zu Hyänenund treiben mit Entsetzen Scherz;

»och zuckend, mit des Panthers Zähnen,zerreißen sie des Feindes Herz.

Nichts Heiliges ist mehr, es lösensich alle Bande frommer Scheu;der Gute räumt den Platz dem Bösen,und alle Laster walten frei.

Schweiz Jugendfreund.

Gefährlich ist's, den Leu zu wecken,verderblich ist des Tigers Zahn;jedoch der schrecklichste der Schrecken,das ist der Mensch in seinem Wahn.Weh denen, die dem Ewigblindendes Lichtes Himmelsfackel leihn!

Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zündenund äschert Städt' und Länder ein.

IX.

Freude hat mir Gott gegeben!Sehet! wie ein goldner Stern,aus der Hülse, blank und eben,schält sich der metallne Kern!

Von dem Helm zum Kranzspielt's wie Sonnenglanz.

Auch des Wappens nette Schilderloben den erfahrnen Bilder.

Herein! Herein!

Gesellen alle, schließt den Reihen,daß wir die Glocke taufend weihen!Concordia soll ihr Name sein.

Zur Eintracht, zu herzinnigem Vereineversammle sie die liebende Gemeine.

Und dies sei fortan ihr Beruf,wozu der Meister sie erschuf:

Hoch überm niedern Erdenlebensoll sie im blauen Himmelszelt,die Nachbarin des Donners, schwebenund grenzen an die Sternenwelt,soll eine Stimme sein von oben,wie der Gestirne helle Schar,die ihren Schöpfer wandelnd lobenund führe» das bekränzte Jahr.

Nur ewigen und ernsten Dingensei ihr metalluer Mund geweiht,und stündlich mit den schnellen Schwill-berühr' im Fluge sie die Zeit, sgenDem Schicksal leihe sie die Zunge;selbst herzlos, ohne Mitgefühl,begleite sie mit ihrem Schwüngedes Lebens wechselvolles Spiel,

12