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andere tief in den Schnee fielen, und dürres Holz fanden sie im Über-fluß. Und schon waren sie beschäftigt, es auf dem Schlitten zusammen-zulegen und festzubinden, als sie in der Ferne zwei Wölfe erblickten,die in gerader Richtung auf sie zuliefen. Ihnen zu entrinnen, war un-möglich; ein Baum, auf den sie sich hätten retten können, war nicht inder Nähe; denn rings umher war nur Buschholz, und was hätte ihnenauch der höchste Baum geholfen? Die Wölfe hätten dabei Wache ge-halten, und sie hätten verhungern müssen. Was thun sie also in ihrerNot? Der ältere, ein entschlossener Knabe, deckt den kleinern mit demSchlitten zu, wirft so viel Holz darauf, als er kann, und ruft ihm zu:,Bete, aber rühre dich nicht. Ich habe Mut? — ,Ach mein Gotth sagteder Kleine weinend, ,wenn wir umkämen, die Mutter stürbe vor Gram?Der eine Knabe stak also unter dem Schlitten und dem dürren Holze;der größere aber, der Janko, stellt sich mit der Axt in Positur, und wieder eine Wolf, der am hitzigsten vorausgelaufen ist, herankommt, versetzter ihm einen Hieb in den Nacken, daß er zu Boden fällt. In diesemAugenblick packt ihn der andere Wolf am Arm und wirft ihn zu Boden.Hier faßt er nun mit krampfhafter Angst das Untier mit beiden Händenan der Kehle und hält den weit geöffneten Rachen von sich ab, ohnedoch zu schreien, um das Leben seines Bruders nicht in Gefahr zu bringen.Diesen aber ergreift in seinem Versteck eine unbeschreibliche Angst. Erwirft den Schlitten und das Holz von sich, rafft die zur Erde gefalleneAxt auf, und versetzt dem Wolf einige Hiebe auf den Rücken. Dieserwendet sich nun gegen den neuen Feind, und er würde ihn ohne Zweifelzerrissen haben, hätte sich der andere nicht blitzschnell aufgerafft und dieAxt dem Wolfe in den Kopf geschlagen. So waren also zwei schwacheKnaben durch Gottes Hilfe und ihren Mut Herren von zwei furchtbarenRaubtieren geworden, ohne selbst eine gefährliche Wunde bekommen zuhaben. Verwundert sahen sie sich jetzt einer den andern an, dann dieTiere, die mit offenem Rachen tot auf dem Rücken lagen, und stauntenüber das furchtbare Gebiß, und die gewaltigen Zähne, die sie hätten zer-malmen sollen. Dann knieten sie nieder, bekreuzten sich und beteten; undnachdem sie Gott für ihre wunderbare Rettung gedankt hatten, kamen siejubelnd mit ihrem Holze und den beiden erlegten Wölfen auf dem Schlittennach Hause. Ich habe selbst in Bistritz die Knaben gesehen, wie sie.mitden Wölfen durch die Straßen zogen, ihre Geschichte erzählten und vonder ganzen Stadt bewundert und geliebkost und beschenkt wurden. Ichkann nicht daran denken, ohne daß mir Thränen in die Augen kommen.Es waren gar zu hübsche, liebe und fromme Knaben!"
Diese Geschichte, die mit Teilnahme gehört worden war, führte nocheinige andere Erzählungen verwandter Art herbei, die alle bald mehr, baldweniger bewiesen, daß der Mensch, so wehr- und waffenlos von Natur erist, doch durch Klugheit, Mut und Entschlossenheit Herr der Schöpfung wird.