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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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lichen Brunnen. Man sieht den armen Menschen drunten zusammen-gekauert in Todesnöten sitzen. Jede Minute kann für ihn die letztewerden; aber sie gucken und ringen die Hände und raten, undkeiner will sein Leben wagen. Man bietet Geld; aber das Leben istjedem lieber'als Geld. Eine Lampe, die man hinunterläßt, erlischtschon nach drei Minuten. Und drunten zuckt der Mann in Todes-nöten, man kann's deutlich sehen.

Da springt Plötzlich ein Bursch hervor, der Peter, welcher erst ausBerlin von der Garde heimgekehrt war, und ruft:In Gottes Namendenn! Bindet mich fest, und gebt acht!" Bald ist er drunten. Mit rascher,geschickter Hand hat er dem Brunnenmeister das Seil umgeschlungen.Schnell'zieht ihn auf!" ruft er,und dann denkt an mich, es ist nichtzum Aushalten!" Aber die Stimme des Wackeren klang schon wie Ächzenund Röcheln/Der Brunnenmeister war droben am Licht, leblos undbraun wie ein Erstickter. Aber dem Peter drunten ist das Rufen auchvergangen. Mau spürt nur noch ein immer matter werdendes Zuckenam Seil. Man beginnt ihn eilig aufzuwinden. Wehe! das Seillöst sich, und Peter stürzt in die Tiefe. Ein Schrei des Entsetzensentfährt den Männern am Brunnen. Und ein Jammer war's, dieunterdes auch herbeigeeilten Eltern Peters zu sehen, wie sie wehklagendund händeringend baten, man möge doch Barmherzigkeit an ihnen thunund ihren Peter aus dem giftigen Brunnen holen. Todesangst hattealle gelähmt. Die kostbaren Minuten verrannen, und der Unglückliche,der nun still geworden war, blieb in der Tiefe liegen. Da erhob sichdas Herz eines der Bauern zu edler Mannheit, wie wenn ein Sonnen-strahl von oben hineinglänzt.Ich wag's in Gottes Namen!" rufter,ihr Männer her, laßt mich hinunter!" Und indem sie das Seilum ihn banden, empfahl er seine Seele samt Weib und Kind demhimmlischen Vater. Er kommt in die Tiefe und spürt auch große Be-klemmung. Aber der Peter, der sich nicht mehr rührt noch regt, ist raschfestgebunden und aufgewunden. Nun ruft der Mann im Brunnen:UmGottes Willen helft, ich ersticke!" Doch hatte er noch so viel Besinnung,sich zu befestigen, und war alsbald wieder am Tageslicht. Die erquickendeLuft unter Gottes freiem Himmel brachte ihn bald wieder zurecht.

Die beiden andern aber lagen in tiefer, langer Ohnmacht, unddem schnell herbeigeeilten Arzte gelang es erst nach vieler Mühe, dasohnmächtige Leben zu erwecken. Nach achttägiger Krankheit waren sie