192
Drum, wenn i nnmme by der wär,so wär jo alles recht und guet.
Jez sitzt do und weiß kei Trostmi'm tiefe Schmerz.
Doch öbbe bald, wenn's Gottswill isch,so chunnt mi Samstig z'Oben au,und druf, se grabt der Nochber Chlausmir au ne Bett.
Und wenn emol der Sunntig tagt,und d'Engel singe 's Morgelied,se stöhn mer mitenander uf,erquickt und gsund.
Und 's steht e neui Chilche do,hell funklet st im Morgerot.
Mer göhn und singen am Altar's Halleluja!
8S. Die Freunde des Toten.
Joh. Nepomuk Vogt, Romanzen, Balladen, Sagen und Legenden.
^iie hatten den Freund zur Ruh gebrachtund gingen nun alle nach Haus.
„Der ist jetzt daheim", hat der eine gedacht;der zweite: „Sein Leben ist aus".
Der dritte sprach: „Es macht doch Schmerz,verlieren so früh schon den Freund!"Der vierte: „Nun, wackres Bruderherz,bist du mit den Deinen vereint!"
Der fünfte: „Auf Erden ist's nun so!"Der sechste: „Ruh' über sein Grab!"Der siebente: „Wir waren zusammen soweiß nicht, wo ich's wieder so hab'", sfroh
Der achte nur blieb stumm bis zur Schwell',der hat nichts gesagt und gemeint;dem blinkte im Aug' eine Thräne hell:der war sein bester Freund!
s«. Der schnellste Reiter
Emanuel Geibel, Gedichte.
^)er schnellste Reiter ist der Tod;er überleitet das Morgenrot,des Wetters rasches Blitzen;sein Roß ist fahl und ungeschickt,die Senne schwirrt, der Pfeil erklirrtund muß im Herze sitzen.
Durch Stadt und Dorf, über Berg undim Morgenrot, im Abendstrahl sThal,geht's fort in wildem Jagen,und wo er floh mit Ungestüm,da schallen die Glocken hinter ihm,und Grabeslieder klagen.
Hr tritt herein in den Prunkpalast,da wird so blaß der stolze Gastund läßt von Wein und Buhle;er tritt zum lustigen Hochzeitsschmaus,ein Windstoß löscht die Kerzen aus,bleich lehnt die Braut im Stuhle.
Dem Schöffen blickt er ins Gesicht,der just Las weiße Släblein bricht,da sinkt's ihm aus den Händen;ein Mägdlein windet Blut' und Klee,er tritt heran, — ihr wird so weh, -wer mag den Strauß vollenden!
Drum sei nicht stolz, o Menschenkind!Du bist dem Tod wie Spreu im Wind,und magst du Kronen tragen.
Der Sand verrinnt, die Stunde schlägt,und eh' ein Hauch dies Blatt bewegt,kann auch die deine schlagen.