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da man uns nirgends bei den Häusern wollt' leiden, wie freundlichwir auch um Herberg baten; zuweilen hetzte man die Hunde auf uns.Da wir aber gen Breslau in Schlesien kamen, da war alle Fülle, jaso wohlfeil, daß sich die armen Schüler überaßen und oft in großeKrankheit fielen. Da gingen wir zum ersten im Dom zum heiligenKreuz in die Schule. Als wir aber vernahmen, daß in der oberstenPfarrei zu St. Elisabeth etliche Schweizer waren, zogen wir dahin.Da waren zwei von Bremgarten, zwei von Mellingen und andere undviel Schwaben; da, war kein Unterschied zwischen Schwaben undSchweizern, sprachen einander zu wie Landsleute, schirmten einander.Die Stadt Breslau hat sieben Pfarreien, jegliche eine besondere Schule;durfte kein Schüler in des andern Pfarrei singen gehen, oder sie schrieen:ack iätzin! rrck ickem! sauf sie!j So liefen denn die Schützen fABC-Schülers zusammen und schlugen einander gar übel. Es sind auf ein-mal in der Stadt, wie man sagt, etliche tausend Bacchanten und Schützengewesen, die sich alle von Almosen ernährten. Man sagt auch, daßetliche 20, 30 Jahre und noch länger dagewesen sind, die ihre Schützenhatten, welche ihnen Nahrung zutrugen. Ich habe meinen Bacchantenoft eines Abends fünf oder sechs Trachten heim auf die Schule ge-tragen, wo sie wohnten. Man gab mir auch recht gern, darum daßich klein war und ein Schweizer; denn man hatte die Schweizersehr lieb; daher man denn ein großes Mitleiden hatte mit denSchweizern, weil sie eben zu der Zeit in der großen Mailänder-Schlacht übel gelitten hatten, so daß der gemeine Mann sagte: „Jetzthaben die Schweizer ihr bestes Paternoster verloren"; denn vorhinmeinte man, sie wären fast unüberwindlich.
Auf dem Rückweg nach München, nicht weit von Dresden, hat sich'szugetragen, daß ich in einem Dorf heischen ging, kam vor eines BauernHaus; fragt mich der Bauer, von wannen ich wäre. Da er gehört,ich sei ein Schweizer, sprach er, ob ich nicht mehr Gesellen hätte. Sagteich: „Meine Gesellen warten meiner vor dem Dorf". Sagt er: „Heißsie kommen!", rüstet uns ein gutes Mahl zu, dazu Bier zu trinkengenug. Als wir guter Dinge waren und der Bauer mit uns, da lazseine Mutter im Bett in der Stube. Zu der sprach der Sohn: „Mutter,ich habe oft von dir gehört, du wolltest gern vor deinem Tode einenSchweizer sehen; da siehst du etliche; denn dir zublieb hab' ich sie ge-laden". Da richtet sich die Mutter auf, danket dem Sohn wegen der