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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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versteht er die Worte bald". Also schied er von uns und ging zurRuhe. — Darnach kamen die Kaufleute wieder in die Stube, hießenden Wirt ihnen noch einen Trunk auftragen und unterhielten sich eifrig,wer doch der Gast wäre, der bei ihnen gesessen hätte. Doch der Wirtließ sich merken, er hielte ihn für den Luther, und die Kaufleute ließensich bald bereden und bedauerten, daß sie so ungeschickt vor ihm geredethätten, und sprachen, sie wollten am Morgen um so früher aufstehen,ehe er wegritte, und ihn bitten, er möge nicht auf sie zürnen. Dasthaten sie denn und fanden ihn am Morgen im Stalle; aber Martinashat geantwortet: „Ihr habt über dem Nachtessen gesagt, Ihr wollet10 Gulden wegen des Luthers ausgeben und ihm beichten; dann werdetIhr wohl sehen und erfahren, ob er nicht Martinus Luther sei". Weiterhat er sich nicht zu erkeunnen gegeben, ist darauf bald aufgesessen undauf Wittcnberg zu geritten.

Am Samstag darnach kamen wir auch nach Wittenberg und kehrtenbei Dr. Hierouymus ein, um unsere Briefe zu überantworten. Wie manuns in die Stube ruft, siehe, so finden wir den Reiter Martinus, ebensowie zu Jena. Und bei ihm ist Philipp Melanchthon, Justus Jonas,Niklaus Amsdors, Or. Schürf; sie erzählen ihm, was sich währendseiner Abwesenheit in Wittenberg ereignet hat. Er grüßt uns und lächelt,zeigt mit dem Finger und spricht: „Das ist der Philipp Melanchthon,von dem ich euch gesagt habe". Da kehret sich Philippus gegen uns,fraget uns mancherlei über der Zeiten Lauf in unserm Lande, und wirgaben ihm Bescheid, soviel wir wußten. Also verbrachten wir denselbenTag bei ihnen, unserseits mit Freuden und großem Verlangen.

104. Gustav Adolf.

I. C- Andrä, Erzählungen auS der Weltgeschichte. (Gekürzt).

Lln dem schrecklichen dreißigjährigen Kriege waren die Feldherrendes Kaisers anfangs so siegreich, daß dieser bereits glaubte, mit denProtestanten ganz nach Belieben verfahren zu können. Man konntevoraussehen, daß Ferdinand nicht eher ruhen werde, als bis er jedeSpur der evangelischen Lehre in Deutschland ausgerottet haben würde.Seine Heere standen bereit, um alles, was er wollte, durchzuführen.Als so die Not der Protestanten aufs höchste gestiegen war, kam ihnenunvermutete Hilfe. Der heldenhafte Schwedenkönig Gustav Adolflandete im Sommer des Jahres 1630 mit 15000 Mann in Pommern,um seinen bedrängten Glaubensgenossen beizustehen. Aber wie kleinwar dieses Heer gegenüber der Kriegsmacht des deutschen Kaisers!„Wir haben halt a Feindle mehr!" sagte dieser spöttisch, und die Wiener