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nannten Gustav Adolf nur den Schneekönig, der bald schmelzen werde,wenn er weiter nach Süden komme. Der kriegskundige Tilly abermeinte: „Der König von Schweden ist ein Feind von großer Klugheitund Tapferkeit, ein Feind, der den Krieg zu führen weiß. Sein Heerist ein Ganzes, das er wie sein Roß mit dem Zügel regiert." .UndGustav war unstreitig der erste Kriegsheld seiner Zeit, ein Feldherr,wie seit Jahrhunderten keiner aufgestanden. In seinem Heere herrschtedie trefflichste Mannszucht. Während bei den Wallensteinischen Scharenalle Laster im Schwange gingen, wachte Gustav mit eben der Sorgfaltüber die Sitten der Soldaten, wie über die kriegerische Tapferkeit. JedesRegiment mußte zum Morgen- und Abendgebet einen Kreis um denFeldprediger schließen und unter freiem Himmel seine Andacht halten.Fluchen, spielen, rauben war strenge verboten. In allen Tugenden gingGustav selbst den Seinigen als Muster voran. Seine lebendige Gottes-furcht gab ihm in den schwierigsten Lagen Mut und Besonnenheit, undseine Soldaten waren von dem festen Vertrauen erfüllt, daß sie untereinem so frommen und tapfern König siegen müßten.
Als Gustav den deutschen Boden betrat, fiel er im Angesichte seinesganzen Heeres auf die Kniee, dankte Gott mit lauter Stimme für dieglückliche Überfahrt und flehte um seinen ferneren Segen. Den um-stehenden Offizieren kamen vor Rührung die Thränen in die Augen.„Weinet nicht, meine Freunde", sprach der König, „sondern betet! Jemehr Betens, desto mehr Siegens. Fleißig gebetet, ist halb gesiegt".Und siehe, da wichen die Kaiserlichen vor den tapferen Schweden zu-rück. Aber die protestantischen Fürsten waren so furchtsam vor derMacht des Kaisers, so mißtrauisch gegen den ausländischen König, daßsie lange zögerten, sich an Gustav anzuschließen. Die ängstlichen Kur-fürsten von Brandenburg und Sachsen verweigerten ihm geradezu denDurchzug durch ihr Land. Daher konnte Gustav das hart bedrängteMagdeburg nicht mehr retten. Die blühende evangelische Stadtwurde von Tilly erobert. Ihr Schicksal war fllrchtbar. Als die wildenKriegsscharen raub- und mordgierig im Sturm eindrangen, erfolgte einBlutbad, wie es noch keine deutsche Stadt in ihren Mauern gesehenhatte. Bor der unmenschlichen Wut der Kaiserlichen fanden auch dieGreise, Frauen und unschuldigen Kindlein kein Erbarmen. Und wasdem Schwert entging, das wurde vom Feuer dahingerafft. Denn plötzlichwirbelten auf allen Seiten Flammen empor, und nach kaum zehn Stunden