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blumen und Levkojen?" — Der Mann aber, der vermutlich etwasWichtigeres zu thun hatte, und zum Unglück gerade so viel von derdeutschen Sprache verstand, als der Fragende von der holländischen,nämlich nichts, sagte kurz und schnauzig: „Kannitverstan" und schnurrtevorüber. Dies war ein holländisches Wort oder drei, wenn man's rechtbetrachtet, und heißt auf deutsch so viel als: Ich kann euch nicht ver-stehen. Aber der gute Fremdling glaubte, es sei der Name des Mannes,nach dem er gefragt hatte. Das muß ein grundreicher Mann sein, derHerr Kannitverstan, dachte er, und ging weiter. Gass' aus, Gaff' einkam er endlich an den Meerbusen, der da heißt: „Het Ey", oder aufdeutsch: „Das Apsilon". Da stand nun Schiff an Schiff und Mast-baum an Mastbaum; und er wußte anfänglich nicht, wie er es mitseinen zwei einzigen Augen durchseihten werde, alle diese Merkwürdig-keiten genug zu sehen und zu betrachten, bis endlich ein großes Schiffseine Aufmerksamkeit an sich zog, das vor kurzem aus Ostindien an-gelangt war und jetzt eben ausgeladen wurde. Schon standen ganzeReihen von Kisten und Ballen anf- und nebeneinander am Lande. Nochimmer wurden mehrere herausgewälzt, und Fässer voll Zucker und Kaffee,voll Reis und Pfeffer. Als er aber lange zugesehen hatte, fragte erendlich einen, der eben eine Kiste auf der Achsel heraustrug, wie derglückliche Mann heiße, dem das Meer alle diese Waren an das Landbringe. „Kannitverstan!" war die Antwort. Da dachte er: „Haha,schaut's da heraus? Kein Wunder! wem das Meer solche Reichtümeran das Land schwemmt, der hat gut solche Häuser in die Welt stellenund solcherlei Tulipanen vor die Fenster in vergoldeten Scherben". Jetztging er wieder zurück und stellte eine recht traurige Betrachtung bei sichselbst an, was er für ein armer Mensch sei unter so vielen reichen Leutenin der Welt. Aber als er eben dachte: „Wenn ich's doch nur aucheinmal so gut bekäme, wie dieser Herr Kannitverstan es hat", kam erum eine Ecke und erblickte einen großen Leichenzug. Vier schwarz ver-mummte Pferde zogen einen ebenfalls schwarz überzogenen Leichenwagenlangsam und traurig, als ob sie wüßten, daß sie einen Toten in seineRuhe führten. Ein langer Zug von Freunden und Bekannten des Ver-storbenen folgte nach, Paar und Paar, verhüllt in schwarze Mäntel undstumm. In der Ferne läutete ein einsames Glöcklein. Jetzt ergriffunsern Fremdling ein wehmütiges Gefühl, das an keinem guten Menschenvorübergeht, wenn er eine Leiche sieht, und er blieb mit dem Hut in