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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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ISO. Die Lchweizer-Regimenter im russischen Feldzug.

Nach A. Maag, Die Schicksale der Schweizer-Regimenter im Feldzug nach Rußland.

Leidem großen Heere, das Napoleon 1812 nach Rußland führte,waren auch vier Schweizer-Regimenter, die zusammen 7300 Mann zähl-ten. Vorher in Italien und Frankreich zerstreut, waren sie jetzt vereinigt,was alle hoch erfreute und zu edlem Wetteifer anspornte. Überall indeutschen Landen empfing man sie mit Freuden, weil sie durch ihreausgezeichnete Mannszucht sehr von andern Truppen abstachen. Sietrugen rote Röcke und weiße Beinkleider und hießen daher nurroteSchweizer" oderRotröcke". Schon von Stettin bis Marienburg littendie Braven Mangel an Nahrung und ordentlichem Getränk; Eilmärschevon 22 bis 27 Stunden ohne Halt und Abkochen setzten ihre Anzahlauf 5000 herab. Auf den Requisitionen, zu denen die Not schon inFreundesland drängte, zeichneten sich die Schweizer ebensosehr durchMilde, wie die Franzosen durch Unverschämtheit aus.

Das Armeekorps, dem sie zugeteilt waren, sollte in Litauen gegenden rechten Flügel der Russen operieren. Nach einigen scharfen Ge-fechten lagerten sich die Truppen in der kleinen Stadt Polotzk, die nur350 Holzhäuser mit 3000 Einwohnern zählte. Die Stadt war vonVerwundeten, die auf bloßer Erde lagen und jeglicher Pflege erman-gelten, angefüllt. Bei den schlechten, sumpfigen Wegen blieben dieLebensmitteltransporte zurück, und das Marodieren artete in Plün-derung, Raub und Mord aus. Trotzdem forderten Hunger und Ruhrtäglich Dutzende von Opfern. Als im Kriegsrate bemerkt wurde, mansollte einmal die Schweizer in die erste Schlachtlinie führen, erwiderteSt. Cyr, der Oberbefehlshaber über zwei Armeekorps:Meine Herren,ich kenne die Schweizer. Zum Angriff sind die Franzosen rascher; abersollte es zum Rückzug kommen, so können wir auf den Mut und dieKaltblütigkeit der Schweizer sicher zählen, und aus diesem Grundemüssen sie mir heute noch in der Reserve bleiben."

Wirklich brachten die Schweizer am Abend des Schlachttages diefliehenden Franzosen wieder zum Stehen. Der Feind wurde geworfen,die Schlacht gewonnen, und St. Cyr erhielt den Marschallstab. Ersuchte nun wieder mehr Ordnung und Mannszucht in das Heer zubringen. Die Plünderer wurden erschossen und die Requisitionen, nament-lich nach Getreide, so geordnet, daß jede Division ihr bestimmtes Gebiet