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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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abzusuchen hatte; aber trotz dem Verbot wurden Edelsitze, Dörfer, Höfeausgeraubt und angezündet, wenn die Soldaten nichts fanden. Lieute-nant Legier von Glarus rettete auf einer solchen Marode einer edlenFamilie das Leben und schenkte ihr zwölf Säcke Frucht und sechsKühe. Ihn schmerzte der Raubzug, aber der Krieg zwang ihn dazu.

Nachdem sich Napoleon im Oktober aus Moskau hatte zurückziehenmüssen, wagten auch die Russen den Angriff auf Polotzk. Die Schweizersollten sich langsam zurückziehen; aber die Soldaten gehorchten denOffizieren nicht, wie einst ihre Vater bei St. Jakob an der Birs. MitTodesverachtung überschütten sie die anstürmenden feindlichen Kolonnenmit einem fürchterlichen Feuer, daß dieselben weichen müssen. UnterHurrahgeschrei sprengt die Kavallerie heran, dieSchweizer niederzurenuen;sie stellen sich im Viereck auf und weisen die Reiter ab. Neue Infanterie-massen rücken heran, und aus der Ferne sendet die russische Artillerieihre tödlichen Grüße. Da machen die Schweizer rechtsumkehrt undziehen sich im Schritt zurück. Ihre Reihen sind schrecklich gelichtet. Nochdreimal bleiben sie stehen und werfen die Russen zurück, die beiden letztenMale mit dem Bajonett, und dies alles mit einer Ruhe und Kaltblütig-keit, als ob die Regimenter auf dem Exerzierplatz wären. Endlich vonInfanterie und Kavallerie zugleich und von allen Seiten bestürmt,gehorchen die Rasenden dem Befehle zum Rückzug, aber im gewöhn-lichen Schritt und in vollster Ordnung. Endlich in der Schlucht derPoloto rast mit verdoppelter Wucht zum letztenmal die Kavallerie heran,um die kleinen Vierecke doch noch zu brechen. Da erhebt der greiseOberst Ragettli seine Stimme:Ihr Leut, ihr Leut, bleibt stehen,weicht nicht zurück, bleibt stehen!" Sie stehen dicht gedrängt und dieKavallerie muß abziehen. Die Schlacht wird abgebrochen, nachdem dieSchweizer auf dem andern Ufer der Poloto sind. Der verwundeteSt. Cyr sagte zu seinen Generalen, es sei unmöglich, die Tapferkeit derSchweizer zu übertreffen. Den Rückzug über die Düna mußten wiederdie Schweizer decken und die Stadt Polotzk bis zum äußersten verteidigen.Trotzdem die Kanonen diese unaufhörlich beschossen und es Flintenkugelnregnete, wichen die Schweizer nur Schritt für Schritt zurück. Erst alsalle Truppen drüben waren, überschritten sie die Schiffbrücke, das vierteRegiment wiederum den Rückzug der drei andern deckend, als die Brückeschon bis auf die Balken abgebrochen war. Dann befahl der BataillonschefSalomon Bleuler von Zürich die gänzliche Zerstörung der Brücke und