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sandte ein Paar goldene Ohrringe mit der Zuschrift: „In dem Augen-blicke, wo es gilt, für das Vaterland zu handeln, ist es schmerzhaft,nicht über Reichtümer verfügen zu können. So lege ich die geringe Gabe,die ich zu bieten vermag, auf den heiligen Altar des Vaterlandes, be-gleitet von dem Wunsche, daß jede Tochter des preußischen Staateseilen möge, sich ihres entbehrlichen Schmuckes zu entledigen". Einblinder Harfenspieler bot die Hälfte seines kümmerlichen Verdiensteszur Unterstützung eines erblindet zurückkehrenden Kriegers dar. Einrührendes Geschenk aber kam von einer achtzehnjährigen Jungfrau inBreslau, welche ein ausgezeichnet schönes und volles blondes Haar hatte.Sie fragte einen Haarkünstler, was es wohl wert sei. Er schätzte esauf 10 Thaler, und um diesen Preis wollte sie es sich abschneidenlassen. Der Haarkünstler weigert sich, die Schere anzusetzen, da er sieihres schönen Schmuckes nicht berauben will. Ohne sich in ihremEntschlüsse wankend zu machen, geht sie nach Hause, schneidet sich dieganze Haarfülle ab und sendet sie mit der Zuschrift ein: „Der Haar-künstler hat für dieses Haar 10 Thaler geboten; es macht mich glück-lich, dem Vaterlande dies kleine Opfer bringen zu können". Ausdiesem Haare wurden Ringe und Armbänder verfertigt, die als An-denken an eine so schöne Handlung der Vaterlandsliebe so teuer ver-kauft wurden, daß sie 250 Thaler eintrugen.
So einmütigen Sinnes, so opferfreudig alles einsetzend für seineFreiheit, ging das preußische Volk im Frühling des denkwürdigenJahres 1813 in den heiligen Krieg, voll froher Zuversicht zu demGotte der Heerscharen, daß er seine Waffen segnen werde.
16 ». Die Grenadiere.
Heinrich Heine, Buch der Lieder.
1. ^^ach Frankreich zogen zwei Grenadier',die waren in Rußland gefangen.
Und als sie kamen ins deutsche Quartier,sie ließen die Köpfe hangen.
2. Da hörten sie beide die traurige Mär,daß Frankreich verloren gegangen,
besiegt und zerschlagen das tapfere Heer, —und der Kaiser, der Kaiser gefangen.