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Ihr König Friedrich Wilhelm III. schloß mit dem Kaiser Alexandervon Rußland einen Bund und erließ von Breslau aus einen Aufrufan sein Volk, die Waffen für die Ehre des Vaterlandes zu ergreifen.Voll Begeisterung erhoben sich die Preußen wie ein Mann zum letztenentscheidenden Freiheitskampfe. Weil sie von Napoleon keinen ehren-vollen Frieden hoffen konnten, wollten sie lieber ihr Leben dran setzen.Krieg! Krieg! erschallte es von den Karpathen bis zur Ostsee, vornRiemen bis zur Elbe; Krieg wollte der Edelmann und Landbesitzer,der verarmt war, der Bauer, der sein letztes Pferd unter Vorspannund Fuhren tot trieb, der Bürger, den die Einquartierungen undAbgaben erschöpften, die Witwe, die ihren einzigen Sohn ins Feldschickte. Jünglinge, die kaum wehrhaft waren, Männer mit grauenHaaren und wankenden Knieen, Offiziere, die wegen Wunden undVerstümmelungen seit lange ehrenvoll entlassen waren, reiche Guts-besitzer und Beamte, Vater zahlreicher Familien und Verwalter weit-läufiger Geschäfte wollten nicht zurückbleiben; ja sogar Jungfrauenunter mancherlei Verkleidung und Verstellung drängten sich zu denWaffen, alle wollten sich üben, rüsten und für das Vaterland streitenund sterben. Jede Stadt, jeder Flecken, jedes Dorf schallte von Kriegs-lust und Kriegsmusik und war in einen Übuugs- und Waffenplatzverwandelt; jede Schmiede war eine Waffenwerkstätte.
Bei diesem heiligen Eifer waren alle Unterschiede von Ständen,Klassen und Altern vergessen und aufgehoben; jeder gab sich freudigzu dem Geschäfte und Dienste hin, wo er eben der Brauchbarste war.Die Menschen fühlten es: sie waren gleich geworden durch das langeUnglück. Nichts Niedriges, Gemeines und Wildes durfte die herrlicheBegeisterung entweihen, wenn man den Übermut besiegen wollte, denman an den Franzosen so sehr verabscheut hatte.
Was die Männer so unmittelbar unter den Waffen und für dieWaffen leisteten, das that das schwächere Geschlecht der Frauen daheimdurch stille Gebete, durch Sorgen und Mühen für die Ausziehenden,Kranken und Verwundeten. Unermeßlich ist die Zahl derer, welche Geld-summen, oder Hab und Gut, Ringe und goldene Ketten, Kleidungsstückeund Mittel zur Verpflegung der Verwundeten spendeten, oder auf ihreKosten Freiwillige kleideten und ausrüsteten. Kinder und Gesinde leertenihre Sparbüchsen; viele Kostbarkeiten wurden bei den Sammelstellenabgegeben, ohne daß die Geber ihre Namen nannten. Eine Jungfrau