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die aber selbst nur eine sehr mangelhafte Schulbildung genossen hatte.Bis in sein zehntes Jahr besuchte Heinrich keine Schule und dannerst wöchentlich nur einen Tag die sogenannte Repetierschule. So lernteer bei dem damaligen üblen Zustand der Landschulen notdürftig schreibenund lesen und ein bißchen rechnen. Dies genügte aber dem lebhaftenGeiste des strebsamen Knaben nicht. Obschon damals die höhern Schulender Stadt Zürich für begabte Jünglinge aus der Landschaft verschlossenwaren, fand er doch Mittel und Wege, sich ein reiches Wissen zuerwerben. Er erlernte zunächst das Handwerk seines Vaters und machtedurch seine gewissenhaften Arbeiten dem Hafnerberuf alle Ehre. Daherkam er oft in vornehme Häuser, und er benutzte diese treffliche Ge-legenheit zu seiner geistigen Ausbildung. Gerne liehen ihm reiche, ge-bildete Leute auf seine höfliche Bitte hin die besten Bücher ihrerBibliotheken zum Lesen. Nach vollendeter Tagesarbeit, wenn andere sichdem süßen Schlummer überließen, begann Neeracher sein eifriges Selbst-studium und las dann oft ganze Nächte hindurch; an Sonn- undFesttagen wußte er sich außer seinen Büchern keine schönere Erholung.Sein Vater meinte zwar oft, er sollte nicht soviel Öl verbrennen,sondern sich rechtzeitig zur Ruhe begeben wie andere Leute. Der lern-begierige Jüngling wußte aber stets seinen Wissensdurst an den ent-lehnten Büchern zu stillen, ohne seine eigentliche Berufsarbeit zuvernachlässigen. Indem er alles Gelesene oder Gehörte mit besonderemScharfsinn auffaßte und reiflich darüber nachdachte, wurde er frühesein eigener Lehrer.
Um in seinem edlen Streben unterstützt zu werden, suchte ereinen gleichgesinnten, treuen Freund und fand ihn in dem wackernOuartiermeister Ryffel, dem Sohne des Schullehrers. Die beidenJünglinge versprachen sich, den letzten ersparten Pfennig für Bücheraus Bibliotheken zu verwenden. In ihren Mußestunden lasen undbesprachen sie miteinander die Werke der besten Schriftsteller aus alterund neuer Zeit. Um dabei nicht gestört oder belauscht zu werden,wählten sie als Lesezimmer den Estrich in Neerachers väterlichem Hause.Wie einst Benjamin Franklin, so versuchte sich Neeracher bald inschriftstellerischen Arbeiten, indem er zunächst von den gelesenen Werkensorgfältige Auszüge machte. Später schrieb er in sein Tagebuch seineeigenen Gedanken nieder in Form hübscher, geistreicher Aufsätze. Erverstand es, in höchst anziehender Weise die landschaftlichen Reize seines