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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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Wegnahme der Waren, bei Geldbußen oder gar Leibesstrafe, die Baum-wolle auf den großen Handelsplätzen im Ausland kaufen, sondern er sollsie von einem Herrn und Bürger in dem Preis annehmen, den sich der-selbe gern zahlen läßt; diese darf er spinnen und weben lassen, abernicht einmal bleichen. Ferner soll er, bei vorerwähnter Strafe, mitdieser seiner Arbeit nicht aus dem Lande gehen, noch sie im Landeselbst an einen Fremden verkaufen mögen, sondern er soll gehaltenssein,sie wiederum an einen Herrn und Bürger zu verkaufen, dem es frei-steht, dafür zu zahlen, was er will. Ja, der Landmann soll nichteinmal für seinen eigenen Gebrauch sein selbstverfertigtes Tuch bleichenmögen oder drucken lassen, sondern dieses Bedürfnis von einem Kauf-mann in der Stadt in seinem willkürlichen Preis annehmen. Wie mitder Baumwolle, so verhält es sich mit der Seide und allen übrigenManufakturen. Der Handel mit Kolonialwaren, z. B. Kaffee, Zucker,Tabak, die uns das Ausland liefern, ist ausschließliches Recht derstädtischen Kaufleute. Wohl darf der Landmann die Zurzacher Messebesuchen, inzwischen aber keine eigenen Handelsverbindungen mit Aus-ländern anknüpfen, um fremde Waren in den Kanton einzuführen".

Man hoffte durch diese Beschwerdeschrift die Regierung zu einemvernünftigen Ausgleich zwischen Stadt und Land zu bewegen. Bevor dieUnterschriftensammlung für das Memorial beendigt war, bekamen dieHerren in Zürich Kunde davon. Sogleich wurden die mutmaßlichen Ver-fasser, unter ihnen auch Neeracher, in die Stadt vor Gericht gefordert,streng verhört, und ins Gefängnis geworfen. Der Urteilspruch desGroßen Rates erfüllte die Seegemeinden mit Kummer und Schrecken.Neeracher wurde auf 6 Jahre, seine Freunde, die Ärzte Pfenninger undStaub auf 4 Jahre aus der Eidgenossenschaft verbannt; 28 anderewurden ihrer Ämter und Stellen entsetzt und mußten eine große Geld-buße zahlen. In einer Kutsche führte man die 3 Bannisierten nachKonstanz. Man hatte Neeracher, damit er in der Fremde sein Aus-kommen besser finde, noch einen Meisterbrief als Töpfer mitgegeben.Die plötzliche Trennung von seiner geliebten Braut, von seinem siebzig-jährigen Vater und von seinen treuen Geschwistern, der Schmerz überdie harte Behandlung seiner Heimatgemeinde erschütterten die Gesundheitdes zartfühlenden jungen Stäfner Patrioten so sehr, daß er schon nachzweijährigem Umherirren in der Fremde zu Bäblenheim im Elsaß starb.Der hochbegabte, edle Mann, der unter anderen Verhältnissen ohne