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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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364
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Im Rate siegte bald die eine, bald die andere; was heute beschlossen,wurde morgen widerrufen. Unentschlossenheit und Halbheit sind immerverderblich, im Kriege aber entsetzlich. Endlich stellte Bern 30000 Mannunter der Anführung Ludwigs von Er lach an die Grenze. Der !französische General Brune stand schon mit 40000 Mann in derWaadt, fühlte sich aber zum Angriff zu schwach und wartete auf denGeneral Schauenburg, der mit 15000 Mann vom Elsaß hergleichzeitig gegen Bern vorrücken sollte. Bis dieser schlagfertig war,wußte Brune durch trügerische Vorspiegelungen die Berner von jedem !Angriff abzuhalten. Aufs tiefste betrübt über die schwankende Haltungseiner Regierung, eilte am 26. Februar General von Erlach nach Bern, !trat vor den Großen Rat und stellte ihm in äußerst bewegten Wortenvor, wie lähmend ein längeres Warten auf den Geist der Truppenwirke. Er bat, sich rasch zu entschließen, ob man, mit Schimpf undSchande bedeckt, das Land den wüstesten Räubereien preisgeben oderim Vertrauen auf Gott und die gute Sache es wagen wolle, die Ehreund alles, was man Heiliges und Teures auf Erden habe, zu retten.

Er drohte, seine Stelle niederzulegen, wenn man ihm nicht den Befehlzum Angriff gebe. Fast kein Auge blieb thränenlos. Nahezu einstimmigbeschloß der Rat, ihm die gewünschte Vollmacht zum Angriff zu geben. !

Freudig eilte er wieder zu den Truppen, und neuer Mut belebte diese, !

als sie hörten, daß sie nun den verhaßten Feind angreifen durften.

Eine Stunde nach diesem Vorfall erschien ein französischer Adjutant mitder Aufforderung, behufs weiterer Unterhandlungen Gesandte zu -

Brune nach Payerne zu schicken, der übrigens zu gleicher Zeit Schauen- ^

bürg benachrichtigte, am 1. März angreifen zu wollen. Statt jede s

Verbindung mit dem tückischen und unehrlichen Feinde abzubrechen, ^

schickte der Rat zwei Gesandte nach Payerne. Brune wußte diese schlauhinzuhalten und den Rat mit der Hoffnung auf gütlichen Ausgleich zuködern, so daß nun Erlach Gegenbefehl erhielt. s

Schon hatte Schauenburg angegriffen und rückte gegen Solothurnvor. Bei Lengn au schloß er ganz unerwartet am 2. März morgens4 Uhr die Berner ein, tötete 200, nahm ebensoviele gefangen und zogmittags in Solothurn ein, das sich ohne Schwertstreich ergab. Amgleichen Tage fiel auch Freiburg. Bern war bestürzt; aber nochimmer fehlte seinem Rate der Mut zu kräftigem Vorgehen. In derdarauffolgenden stürmischen Nachtsitzung nahm er alle Vorschläge Brunes