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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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an; ja am 4. März dankte die Regierung ab, um einer neuen Platzzu machen, und hoffte dadurch den Feind von dem äußersten abzuhalten;umsonst, Brune und Schauenburg rückten vor. So kam's zu den letztenentscheidenden Kämpfen vom 5. März, dem großen UnglückstageBerns. Während der Feind in wohlgeordneten Reihen vorrückte, herrschteunter den Bernern die größte Unordnung. Das Volk hatte dasZutrauen in seine Regierung ganz verloren; das beständige Nachgebenschien ihm Verrat. Bei den Soldaten lähmte der Ruf: „Wir sind ver-kauft und verraten" alle Kraft. Niemand wollte mehr gehorchen,noch befehlen; viele liefen davon, andere vergriffen sich an ihrenOffizieren, mißhandelten sie und brachten mehrere um.

Schon vor dem Morgengrauen des schrecklichen Tages (5. März)griffen die Franzosen die Berner bei Neuenegg an und schlugen siein wilde Flucht. Doch vor den Thoren Berns gelang es Graffenried,zirka 2800 Mann zu sammeln. Die Sturmglocken ertönten durchsganze Land. Greise, Weiber und Kinder, von feurigem Mut undbrennender Vaterlandsliebe getrieben, schloffen sich jenen an. In edlemWetteifer drängten sie die Franzosen zurück. Im Forst, einem aus-gedehnten Walde, wälzte sich der Kampf von Baum zu Baum. Sojagten sie die Franzosen wieder über die Sense zurück und erbeuteten18 Kanonen. Der alte Heldensinn war doch noch nicht ganz ausge-storben; der Sieg bei Neuenegg ist dafür Beweis. Wie sich nundie Tapfern ihrer That freuten, kam nachmittags 3 Uhr die erschüt-ternde Nachricht, Bern habe sich schon übergeben, und alles seiverloren. Die Siegesfreude verwandelte sich in unaussprechlicheTrauer und Erbitterung. Viele warfen ihre Waffen weg oder zer-brachen sie und liefen nach Hause.

Am gleichen Tage nämlich war Schauenburg von Solothurn hergegen Bern vorgedrungen. Bei Fraubrunnen, noch mehr aber imGrauholz, war es zu blutigen Kämpfen gekommen. Umsonst feuertenam letztem Orte Erlach und Steiger die ihrigen an; nur 2 Ba-taillone mit zusammen 1000 Mann und einige ungeordnete Land-stürmer waren ihnen geblieben, und was konnte dieses Häuflein gegendie Übermacht ausrichten, die zudem durch treffliches Geschütz und schwereReiterei unterstützt war? Gleichwohl schlugen die Berner die vor-dringenden Feinde noch viermal zurück und verrichteten dabei Wunderder Tapferkeit. Als aber die Franzosen einen Rückangriff machten,