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17S. Aus dem Kampfe bei Fraubrunnen.
Jer. Gotthelf, Elfi, die seltsame Magd.
^.m 5. März war's, als der Franzos ins Land drang, im Landeder Sturm erging, die Glocken hallten, die Feuer brannten auf denHochwachten, die Böller krachten und der Landsturm aus den Thälernbrach, der Landsturm, der nicht wußte, was er sollte, während niemanddaran dachte, was er mit ihm machen sollte. Aus den nächsten Thälernströmte es Burgdorf zu; dort hieß es, man solle auf Fraubrunnen,die Nachricht sei gekommen, daß die Franzosen von Solothurn auf-gebrochen; auf dem Fraubrunner Felde sollte geschlagen werden; dortwarteten die Berner und namentlich Füsiliere und Kanoniere aus dieserGegend. Der Strom wälzte sich das Land ab, Kinder, Greise, Weiberbunt durcheinander; an eine Ordnung ward auch nicht von ferne ge-dacht; dachte doch selten jemand daran, was er eigentlich machen solltevor dem Feinde. Von einem wunderbaren, fast unerklärlichen Gefühlegetrieben, lief jeder dem Feinde zu, als ob es gälte, eine Herde Schafeaus einem Acker zu treiben. Das beginnende Schießen minderte dieEile nicht; es schien jedem angst zu sein, er käme zu spät. Unter denvordersten war immer Elfi, und jeder Schuß traf ihr Herz, denn siemußte denken: hat er Christen getroffen? Sowie sie aus dem Waldebei Kernenried kamen, erblickten sie den beginnenden Kampf am äußer-sten Ende des Fraubrunner Feldes gegen Solothurn zu. Kanonen donner-ten, Bataillonsfeuer krachten, jagende Reiter wurden sichtbar, Rauch-massen wälzten sich über das Moos hin. Erstaunt standen die Land-stürmer; sie hatten nie ein Gefecht gesehen, wenigstens unter Hundertennicht einer. Wie das so fürchterlich zuging hin und her, und von weitemwußte man nicht einmal, wer Feind, wer Freund war! Je länger siezusahen, desto mehr erstaunten sie; es begann ihnen zu grausen vordem wilden Feuer mit Flinten und Kanonen, und alles scharf geladen;sie fanden, man müsse warten und zusehen, welchen Weg es gehe; wennman da so aufs Geratewohl zu marschiere, so könne man unter die„Lätzen" kommen. Kein Mensch war da, sie zu ordnen, zu begeistern,rasch in den Feind zu führen. Es waren in jenen Tagen die Bernermit heilloser Blindheit geschlagen. Das Feuer der Soldaten ließ manauf die gräßlichste Weise erkalten, und wenn's erkaltet war ob demlangen nutzlosen Stehen, manchmal lange Zeit ohne Führer, liefen sie