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Langsam zogen die schlimmen Zeiten vorüber. Der Landmanndachte oft an seinen verborgenen Schatz, und es wollte ihn doch zu-weilen eine Angst ankommen, wenn er an den Nachbar desselben sicherinnerte und an die Möglichkeit, daß sein Geldbeutel mit dem fremdenfortgenommen werden könnte. Endlich war wieder Ruhe im Lande.Da suchte der Mann das verborgene Plätzchen wieder auf und fandrichtig sein Geld, an dem kein Kreuzer fehlte; das andere aber warweg. Also hatten die beiden ihr Geld wieder, und jeder freute sichüber die Ehrlichkeit des andern.
175. Cin Eidgenosse.
Nach I. C. Appenzeller, im Berner Taschenbuch von 1866.
^lls im Jahr 1798 die bernische Regierung nach langem Zögernendlich den Entschluß gefaßt hatte, den eindringenden Franzosen Wider-stand zu leisten, bat sie die Eidgenossen dringend um Zuzug. Alleindieser erfolgte in so spärlicher Weise, daß die Berner einen Eilbotenum den andern nach Zürich, dem damaligen Vorort, absandten, um eszu bitten, noch mehr Mannschaft zu schicken und die für die Wald-stätte bestimmten Mahnbriefe mit seiner Fürsprache zu unterstützen.
In der Versammlung des züricherischen Senates erhob sich einebedeutende Anzahl von Stimmen gegen das Ansuchen Berns. Be-sonders einer der Senatoren legte mit der ganzen Gewalt seiner hin-reißenden Beredsamkeit dar, daß diese von Bern nachgesuchte Hilfe nichtnur unnütz und zu spät sei, sondern daß durch Bewilligung derselbendas aufgeregte Volk im eigenen Kanton nur noch erbitterter gegen dieHauptstadt wüten, der Feind aber, welcher doch nicht mehr aufzuhaltensei, um so schonungsloser gegen Zürich verfahren werde, wenn es sichnoch in den letzten Augenblicken ihm entgegenstelle. Indessen überwogdoch das Gefühl für Berns Not in den Herzen der Senatoren, und eswurde beschlossen, ein drittes Kontingent den Bernern zu Hilfe zu schickenund die für Uri, Schwyz und Unterwalden bestimmten Briefe mitempfehlenden Begleitschreiben alsbald durch einen Eilboten abzusenden.
Um 2 Uhr nachmittags lagen die Briefe mit den Empfehlungs-schreiben auf dem Tische des Stadtschreibers zum Abgänge bereit. Aberwer wollte sie an ihren Bestimmungsort bringen? Außerhalb derThore Zürichs lauerte man auf allen Wegen und Stegen, um jedegegenseitige Mitteilung der Regierungen zu vereiteln. Wer nur irgend-