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Zürich zu setzen, drang ein Teil seiner Truppen auf dem rechtenLimmatufer über Höngg und Wipkingen gegen die Stadt vor, um dieim Sihlfeld stehende russische Hauptmacht zu umgehen. Doch je mehrsich diese Truppen der Stadt näherten, desto wütender warfen sichihnen deren Verteidiger entgegen. Mitten in diesem Kampfgetümmel be-fand sich das schöne, im jetzigen Stadtteil Unterstraß gelegene Landgutzum Beckenhof, dessen damaliger Besitzer David Heß über die beidenSchreckenstage folgendes berichtet:
Am Mittwoch, morgens um 6 Uhr ungefähr, erwachte ich voneinigen Kanonenschüssen, die ziemlich weit von der Limmat herauf er-dröhnten. Bald nachher fielen mehr. „Sollte es heute schon anfangen?"sagte ich. Der englische Gesandte, der es doch wissen mußte, hatteabends zuvor so bestimmt erklärt, der Angriff der Russen werde am 26.geschehen. Am Ende waren ihnen die Franzosen zuvorgekommen, diefeinen Füchse! Es war ein dichter Nebel, man konnte nichts sehen. —Gegen 9 Uhr kam Obrist Roll von Höngg herauf und berichtete uns,daß die Franzosen angefangen hätten, und — was mich gar nicht er-baute — daß sie morgens früh bei Dietikon über die Limmat marschiertseien, ohne daß es den russischen Vorposten möglich gewesen sei, sie zuhindern, ihre Brücke zu schlagen.
Schon sahen wir den Feind auf dem Hönggerberg; das Feuerrückte näher, und einzelne Russen postierten sich bald in unsere Wiesen.Jetzt näherte sich das Gewühl immer mehr; Kosaken und andereReiterei jagten durch unsere Allee, die Russen schössen hinter den Bäumenund Hecken hervor, die Kugeln hagelten von beiden Seiten her; imHause war nichts mehr sicher, und wir zogen uns in den gewölbtenKeller zurück. Da hallte das Geschrei und Schießen, besonders dieSchüsse der gezogenen Stutzen, noch schrecklicher herab. Von Zeit zuZeit schlichen wir uns hinauf und lauschten durch die Ritzen der Fenster-laden. Doch niemand von uns durfte lange droben bleiben, denn dieKugeln prallten überall an.
Es kamen verschiedene Male frische Truppen aus der Stadt; wirhörten das wilde russische Feldgeschrei; aber sie konnten selten weitervordringen als bis an die Spannweid. Vergebens wurden die Leutezusammengetrommelt, — gegen 4 Uhr lief alles russische Volk durchein-ander mit wildem Geheul die Gasse hinab, und gleich hinter ihnen hörtenwir das uvanosr:! avanesr! s— vorwärts! vorwärts!j der Franzosenund die Trommeln, die zum Sturmschritt schlugen. „Da sind sie!"hieß es, und jetzt mußten wir hinauf und mußten sie empfangen undwillkommen heißen, um nicht mißhandelt zu werden. Ich hatte schon zumvoraus Wein genug herausbringen lassen; sobald zum erstenmal angeschelltwurde, öffneten wir und boten zu trinken an. Das that gute Wirkung,und glücklicherweise waren überall Offiziere voraus, welche Ausschreitungender Soldaten verhüteten. —