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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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Wie es zu dämmern anfing, zogen sich die Franzosen, immer fech-tend, wieder etwas zurück, verließen unser Gut, und mit Trommeln undGeheul kündeten sich die Russen wieder an. Nur die einbrechende Nachtmachte dem Schießen endlich ein Ende. — Die Franzosen sammeltensich auf dem Höngger- und Wipkinger Berge, wo sie große Feuer an-zündeten. Der Letzibach trennte beide Parteien. Alle unsere Läden warengeschlossen, damit kein Licht sichtbar sei und Leute herbeilocke. Dessen-ungeachtet kamen einige russische Abteilungen, klopften und begehrten zutrinken. Man reichte Wein aus dem Fenster; da Offiziere mit dabeiwaren, hielten sie sich ordentlich, und nach 9 Uhr kamen keine mehr. —Um halb 10 Uhr kam Frau Loser mit ihrer Tochter und dem Sohndurch den Garten herauf gelaufen; sie schellten an und flehten um Hilfe.Betrunkene Russen waren bei ihnen eingebrochen, zerschlugen und plün-derten ihnen alles und wollten sie mißhandeln. Dem Sohn hatten siedie Stiefel von den Beinen genommen. Da niemand ihre Spracheversteht und sich mit diesen wilden Bestien überhaupt nicht reden läßt,so entschlossen sich die geängstigten Leute, bei uns zu bleiben, um wenig-stens ihr Leben zu retten. Draußen war alles stille; nur aus der Fernehallte das Geschrei der Franzosen, deren Feuer durch die schwarze Nachtemporloderten, und hin und wieder fiel ein Schuß. Bors Haus durfte sichniemand wagen; denn es schweiften überall Marodeurs durch das Gut.

Stürmischer als bei uns auf den Vorposten ging es in der Stadtzu. Es war ein Lärmen und Fahren an einem fort. Die Verwundetenwurden in die Häuser getragen; überall mußten Lebensmittel für dieauf allen Straßen versammelten Soldaten herbeigeschleppt werden, undwo es nicht geschah, erfolgten Drohullgen und Gewaltthätigkeiten.

Der trübe Morgen brach an. Beide Parteien mußten noch müdesein von den Greueln des vorigen Tages; denn es währte ziemlich lang,ehe sie wieder übereinander herfuhren. Nach 7 Uhr geschahen die erstenSchüsse. Die Russen postierten sich auf die Anhöhen und in die Wein-berge, und die Franzosen griffen lebhaft an. Der Kampf zog sich baldwieder in unser Gut, und wir mußten im Keller Sicherheit suchen. Dasaßen und standen und gingen wir herum, wie Geister in Grabgewölben.Eine heillosere Lage, als die unsre, läßt sich kaum denken. So unthätigunter der Erde verschlossen zuwarten müssen, ob die droben einem allsein Eigentum verwüsten, und noch froh sein, mit dem Leben davonzu-kommen! Unaufhörlich donnerte das Geschütz, und das Geschrei derwilden Russen ward immer gräßlicher. Zuweilen machten einzelne Vor-überstreifende die Läden des Kellers auf und spähten hinab ; da sie abervermutlich in der Dunkelheit nichts von uns erblicken konnten, machtensie wieder zu. Ost hörten wir oben Scheiben klirren und die Erschütterungder anprallenden Kugeln.

Nach und nach fingen einzelne Russen an zu pochen und anzu-schellen und begehrten Branntwein. Wir ließen niemand herein und