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bekamen sie! Nicht in Gläsern, nicht in Flaschen, sondern in großenZubern und Eimern. Brot gab man ihnen, so lang noch im Haus war,und als man ihnen sagte, es sei alles aufgegessen, weil die Russen schoneinen Teil davon aufgezehrt hätten, so gaben sie sich auch wieder zufrieden.Das Treiben dauerte ungefähr anderthalb Stunden; es kamen immermehr Offiziere und mit ihnen auch mehr Ordnung, bis man zuletzt dieUnbescheidensten abweisen und schließlich der ganzen Weinschenke ein Endemachen konnte, die sonst bis Mitternacht fortgedauert hätte.
Am Morgen erfuhr ich eine Menge Umstände, die uns Belagertenganz unbekannt geblieben waren. Viele von unsern Bekannten warentot, verwundet und gefangen. Die Russen begingen überall abscheulicheGrausamkeiten. Sie schenkten fast gar keinem Gefangenen das Leben.Ein Mann aus der Nachbarschaft ward von seiner Wohnung weggeschlepptund beim weißen Haus mit Kolben totgeschlagen. Ein anderer bekameinen Schuß in den Arm, an dem er nachher starb, und auch sein zehn-jähriger Knabe ward totgeschossen. Im „Weinberg" plünderten sie alles,und der Lehenmann ward auf der Gallerte hinterm Hause tot gefunden.
Um die Mittagsstunde waren die Franzosen in die Stadt ein-gezogen. Obgleich die französischen Generale ihren Soldaten die Plün-derung nicht gestattet hatten, so wurden doch beinah' in allen HäusernGewaltthätigkeiten verübt, Geld, Lebensmittel und Wäsche — ertrotztund gestohlen, Thüren und Kasten erbrochen und wie in Feindeslandgehaust von den Brüdern, von den Freiheitsbringern. Die helvetischenLegionen zeichneten sich bei diesen Gewaltthätigkeiten am meisten ausund raubten am unverschämtesten. Lavater, der sanfte, fromme Lavater,der die wilden betrunkenen Leute vom Einbruch in ein benachbartes Hausabhielt und bereits alles Geld, das er bei sich trug, hingegeben hatte,bekam einen Schuß, der ihn tödlich verwundete. Massena selbst undverschiedene Stabsoffiziere ritten durch die Stadt, um die Ordnungeinigermaßen wieder herzustellen, und wo sie Plünderer antrafen, jagtensie dieselben mit Klingenhieben vom Raube weg. Die trunkenen Soldatenwurden erst nach und nach etwas ruhiger, nachdem sich der erste Taumelein wenig gesetzt hatte.
Erst am Freitag Morgen fing ich an, im Gute herumzugehen undden Greuel der Verwüstung zu betrachten. Es sah fürchterlich aus!Das Wohnhaus war auf allen Seiten von großen und kleinen Kugelnbeschädigt. Überall waren Scheiben zersplittert, Fensterläden durchlöchert;in den Wänden der Zimmer steckten Flintenkugeln, und viele hundertZiegel waren zerschlagen und lagen ums Haus herum. Alle Heckenwaren zerrissen und umgeworfen, alle Gätter aufgesprengt, alle Pflanzenzertreten, alle Bäume von Kugeln getroffen und verstümmelt. Und —der traurigste Anblick! — in den Wiesen und Reben und in der Alleelagen 13 Tote in ihrem Blute. Die meisten waren Rnsscn, so weithergekommen, um da ihr elendes Leben zu enden! Alle Bewohner des