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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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404
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setzte er sich, Atem schöpfend, auf eine Bank und rief mir gebieterischzu: „Schulmeister, mach' Er die Orgel auf und geb' Er mir ein Ge-sangbuch!" — Ich that augenblicklich, was er verlangte; meine Fraumußte die Bälge ziehen, der Husar hatte ein Lied aufgeschlagen undsagte nun in einem weit mildern Tone: „Wie schön leuchtet derMorgenstern! Spiel' Er das, lieber Schulmeister, aber so rechtfein und ordentlich, Er versteht mich wohl!"—

Ich spielte mit Herzenslust, und nach geendetem Vorspiel fiel derHusar mit seiner tiefen Baßstimme ein; meine Frau hinter der Orgelund ich thaten ein Gleiches. Mein Herz wurde so mutig, daß ich michoft nach meinem Zuhörer umschaute und ihm ganz dreist in das Ge-sicht sah. Er sang mit großer Andacht, hatte die Hände gefaltet, unddie hellen Thränen fielen über den eisgrauen Knebelbart auf das Buchhinab. Jetzt war das Lied beendet; ich ging auf ihn zu; er schütteltemir recht treuherzig die Hand und sprach: „Großen Dank, HerrKantor! Wo ist der Gotteskasten?"

Mein früherer Argwohn, daß es auf Plünderung abgesehen sei,war nun gänzlich verschwunden. Ich holte unsere Armenbüchse, undder Husar warf ein Achtgroschenstück hinein. „Wir beide aber, wirteilen den Rest, Herr Schulmeister", sagte er dann, indem er noch zweiAchtgroschenstücke aus der Tasche zog, „da, nehm' Er das eine für seineMühe!" Jch^ schlug es aus; aber er war so ungestüm, daß ich esschlechterdings nehmen mußte. „Nehm' Er, nehm' Er", sprach er, „esklebt kein Blut daran!"

Jetzt verließ er das Gotteshaus, und wir begleiteten ihn. Sowohlmeine Frau als ich waren unglaublich bewegt; ich konnte mich aber nichtenthalten, unsern wunderbaren Gast auf denfiKirchhofe zu fragen, wie ihmdenn der Gedanke gekommen sei, hier seine Morgenandacht zu halten.

„Das will ich euch wohl sagen, ihr lieben Leute", antwortete er,indem er uns beide bei der Hand nahm. „Gestern Abend sollte einverlorener Posten ausgestellt werden, um ^mitten unter den herum-schweifenden Patrouillen den Feind auf einem gewissen Punkte zu be-obachten. Jeder von uns wußte, was die Sache auf sich hatte; —wir sind seit einigen Wochen brav daran gewesen. — Unser Rittmeisterfragte nach Freiwilligen; niemand bezeigte Lust. Endlich ritt ich fort,und meine drei Jungen konnten ja wohl den alten Vater nicht alleinlassen. — Er braucht es nicht zu wissen, Herr Schulmeister, wie wir