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Es ist etwa'10 Uhr. Ich gehe wieder in die Kirche. Nach Nordenwird's immer stiller; die Bayern sind also zurückgeschlagen. Aber gegenWörth hinab! Hört, wie's kracht! immer mächtiger, Knall auf Knall,ganz anders als heute morgen, auf der ganzen Linie von Görsdorf bisnach Gunstett. O verhängnisvoller Augenblick — dort ist die Hauptmachtdes Feindes; sie muß ungeheuer groß sein. Bon allen Seiten rollt derKanonendonner unter Mark und Bein erschütternden Schlägen zu unsermDorfe herüber; von allen Richtungen fliegen unter gräßlichem Pfeifenund Zischen die feuerspeienden Granaten; ein unaufhörliches, immerheftiger werdendes Gewehrfeuer prasselt und knattert wie fallende Schlossen!Weh! Weh! Elsaßhausen steht in Flammen. Es blitzt und kracht zumEntsetzen. Allmächtiger Gott, was wird aus uns werden? Wohin fliehenin dieser Schreckensstunde? Noch steh' ich hier in der Kirche bei denvielen verwundeten Kriegern; wir können sie nicht mehr zählen; dieRäume sind überfüllt. Da liegen sie in ihrem Blute, mit verstümmeltenLeibern; Todcsblässe, Fieberglut spielt aus ihren Angesichtern; Wut undVerzweiflung stiert aus ihren großen, brechenden Augen. Ich taumledie Kirchentreppe hinunter und schleiche gebückten Leibes gegen den Schloß-hof. Es folgt ein Donnerschlag — das Geschoß hat hinter mir einemfranzösischen Stabsarzt den Leib aufgerissen: ich renne weiter, es kommtein Zischen, erschrecklich, satanisch — die Granate ist mir überm KopfeWeggefahren ins Oberdorf. Gott weiß, was sie anrichtet. Ich bin inder nördlichen Hausflur. Ha! da ist's besser, da sind feste Mauern.Es ist ein Uhr. Der Schlachtensturm wütet mit furchtbarer Heftigkeit.Es muß ein verzweifeltes Ringen sein. Es kommt einem vor, alsstürzten die Heere mit Tigergrimm aufeinander. Ist der entscheidendeAugenblick hereingebrochen? Wohin neigt sich die Wagschale des Kampfes?Ja! wer es wissen könnte! Aber in diesem Hausgang ist's auch nichtmehr auszuhalten, ich gehe in die Tiefe des Kellers.
Die Zuflucht im Schloßkellcr.
Gott sei Dank für diese Zufluchtsstätte. Der Keller ist groß unddas Gewölbe von massiven Steinen. Wie gut, daß sie ein Licht mit-genommen haben; man sieht doch einander in dieser unterirdischen Höhle!Da sind unsere Leute: die Gräfin mit ihren zwei Söhnen steht auf deruntern Treppe; die Pfarrfrau sitzt am Boden auf einer Matratze beiden vier Kleinen; die schlafen so süß, so selig mitten im Sturme. Dasind auch die Dienstboten; ein zusammengescheuchtes, bebendes Häufleinin der Tiefe. Horch wie's schmettert! immer greulicher, furchtbarer, anallen Orten und Enden! Gegen Langensulzbach hat's auch wieder an-gefangen. Die Bayern sind also nicht zurückgeschlagen. — Ihr liebenKinder, was soll aus uns werden? Soll denn kein Stein auf demandern bleiben? Lasset uns beten! . . . Wer kann beten? Ach, das-Herz ist erstarrt vor Weh und Grausen; die Zunge klebt am Gaumen