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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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breiten Gräbern dicht nebeneinander gebettet daliegen sah und dieEhrensalven darüber hin tönten, da wünschte ich mir gar keinen andernTod, als einen echten Soldatentod und ein Soldatengrab unter vielenGenossen desselben Todes. Meine Stunde sollte aber auch kommen,und ich sollt's erfahren, daß es ein ernstes Ding ist, aus der Zeitin die große, richterliche Ewigkeit zu gehen.

Der Unglückstag von Hochkirch war zu Ende. Der Sieger vielerSchlachten war ein Besiegter geworden. Zuerst war mir mein treuesRoß unter dem Leibe erschossen, in grimmiger Kampfeswut ging's zuFuß weiter. Da sank ich auch hin, eine Kugel hatte mich in die Seitegetroffen. Die Schlacht tobte über mich hin, das Bewußtsein vergingmir. Als ich meiner Sinne wieder mächtig ward, war's tiefe, stilleNacht um mich her; durch Wolken beleuchtete der Mond das Schlacht-feld, wo neben mir und um mich her der Tod seine Ernte gehalten.Tiere und Menschen lagen da, langgestreckt; zur Rechten und zur Linkenstöhnten die Verwundeten, die der siegreiche Feind ihrem Schicksalüberlassen hatte. Ich fühlte mich todesmatt, das Erdreich unter mirwar mit meinem Blute getränkt, ein brennender Durst verzehrte mich.Ich hörte eine Uhr schlagen, es war noch eine Stunde vor Mitter-nacht. Dem Kranken auf seinem Bette wird die Nacht wohl lang;dem Verwundeten ohne Arzt, ohne Verband, ohne Labsal, in derschrecklichen Umgebung der Leichen und der Sterbenden, unter freiem,nächtlichem Himmel — ach, dem wird jede Stunde zu einer endlosenEwigkeit!

Da ging mein ganzes Leben an meinem Geiste vorüber; da tratensie an mich heran, die ^Gestalten der Heimat, Vater und Mutter,Freunde und Bekannte; da trat auch der Herr, mein Gott, vor meineSeele. Die Gebete der Kindheit gingen über meine Lippen; die Händekonnte ich nicht falten, denn meine Arme lagen schlaff und kraftlosda; aber heiß und inbrünstig stiegen die Gedanken aus dem Herzenauf, die nach Gott fragten. Ich war jung, gesund, fröhlich; es sträubtesich das Herz in meiner Brust, hier so elendiglich umzukommen undzu verschmachten. Ich seufzte: „Ach, warum nicht tot auf der Stelle,wenn's doch einmal gestorben sein muß!" Da hieß es in mir: „Dubist noch nicht bereit, dein Herrgott kann dich so nicht brauchen, wiedu bist!" Dann wieder legte sich auf eine Weile Bewußtlosigkeit übermein Herz.

Schweiz. Jugendfreund. 27