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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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Endlich graute der Morgen. Ich begrüßte das aufdämmerndeLicht mit Freuden; die Hoffnung regte sich: sollte man nicht kommen,das Schlachtfeld abzusuchen, die Verwundeten ins Lazarett zu bringen,die Toten zu begraben? — Ja, dort zur Rechten ging es hin undher zwischen den Gefallenen und Verwundeten: gewiß, dachte ich, dakommt die Hilfe, die Erlösung! Mit fieberglühender Spannung blickteich auf die Gestalten. Was treiben sie? Sie bücken sich, sie richtensich wieder empor, sie heben die Toten auf, sie werfen sie hart wiederzu Boden; sie haben einen Karren bei sich, keine Bahre zum Tragen,sie beladen den Karren, aber nicht mit Menschen. Hilf Gott! es sinddie Räuber der Schlachtfelder, es sind Marodeure!

Trotz der Todesmattigkeit in meinen Gliedern schäumte und kochtees in mir. Sie kamen näher und immer näher; bald mußte die Reiheauch an mich kommen. Das Tageslicht wuchs, ich konnte diese scheuß-lichen Gesichter erkennen, konnte sehen, wie ihre gierigen Hände in denTaschen, den Tornistern der Toten wühlten. Ein Gedanke, ein Wünschenbelebte mich: gerechte Strafe zu üben an diesen Schändlichen. DurchAufbieten aller Kraft gelang es mir, ein Pistol zu fassen, der Hahnwar gespannt, — jetzt waren sie mir nahe gekommen, ich schoß blind-lings unter sie. Die zitternde Hand hatte keinen getroffen. Aber wütendstürzten sie auf mich los; es waren ihrer drei. „Ho, ho! mein Bürsch-chen", rief der eine, „sticht dich der Hafer noch? und hast doch so vielBlut schon lassen müssen? Ich dächte, der Aderlaß hätte dich zahmmachen können; da wollen wir doch ein bißchen nachhelfen". Dabeizog er eine Waffe hervor und machte sie schußfertig. Ein anderer aberwehrte ihm und sagte: „Wart, Kasper, wir wollen der giftigen Schlangedoch erst die schillernde Haut abstreifen, dann magst du sie zähmen".Der erste folgte dieser Mahnung, die nur ersonnen war, um mich längerzu martern; er legte das Pistol neben sich schußfertig auf den Boden.Dann griffen sie mich an, plünderten mich rein aus, zogen mir dieganze Uniform aus, ließen mir weder Hose noch Stiefel. Was ichunter ihren Händen litt, kann ich nicht beschreiben. Die körperlichenSchmerzen rechnete ich nicht, die sie mir mit ihrem rohen Angreifenbereiteten; aber die ohnmächtige Wut, den Ingrimm, der in mir kochte,das fühle ich jetzt noch, da meine Haare weiß geworden. „Wäre ichdoch verblutet!" dachte ich damals. „Hätte doch die Kugel mein Herzgetroffen! hätte doch die Kälte der Nacht mich getötet! Wäre ich doch