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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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429
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verwundern, was doch die Ursache sein möchte, ob vielleicht irgendwoein Fehler beim Bauen gemacht worden wäre, wodurch das Licht auf-gehalten würde. So gingen sie denn zu ihrem Henthore wieder hin-aus, um zu sehen, wo sich der Mangel befinde. Da standen alle dreiMauern gar vollkommen da; das Dach saß ordentlich darauf, auch anLicht mangelte es draußen nicht. Sobald sie aber wieder hereinkamen,zu forschen, ob der Fehler drinnen liege, da war es wieder finster wiezuvor. Die wahre Ursache aber war, daß sie die Fenster an ihremRathause vergessen hatten; dies konnten sie nicht finden noch erraten,so sehr sie sich auch ihre närrischen Köpfe darob zerbrachen.

III.

Als der festgesetzte Ratstag gekommen war, stellten sich die Schild-bürger zahlreich ein, denn es hatte allen gegolten, und nahmen ihrePlätze ein. Einer von ihnen hatte einen brennenden Lichtspan mit-gebracht und ihn, nachdem sie sich niedergesetzt, auf seinen Hut gesteckt,damit sie in dem finstern Rathaus einander sehen könnten, auch derSchultheiß bei der Umfrage einem jeden seinen Titel und Namen zugeben im stände wäre. Hier ließen sich nun über den vorgefallenenHandel gar widersprechende Meinungen vernehmen. Die Mehrheitschien sich dahin zu neigen, daß man den ganzen Bau wieder bis aufden Boden abbrechen und aufs neue aufführen sollte. Da trat einerhervor, der, wie er früher unter allen der allerweiseste gewesen, so jetztsich als den allerthörichtesten zeigen wollte, und sprach: „Wer weiß, obdas Licht oder der Tag sich nicht in einem Sacke tragen läßt, gleich-wie das Wasser in einem Eimer getragen wird. Unser keiner hat esjemals versucht; darum, wenn es euch gefällt, so wollen wir dran gehen;gerät's, so haben wir's um so besser und werden als Erfinder dieserKunst großes Lob damit erjagen. Geht es aber nicht, so ist es dochzu unserem Vorhaben, der Narrheit halber, ganz willkommen undbequem."

Dieser Rat gefiel allen Schildbürgern dermaßen, daß sie beschlossen,demselben in aller Eile nachzuleben. Deswegen kamen sie nach Mittag,wo die Sonne am besten scheint, alle vor das neue Rathaus, ein jedermit einem Geschirre, in das er den Tag zu fassen gedachte, um ihnhineinzutragen. Einige brachten auch Schaufeln, Karste, Gabeln mit,aus Fürsorge, daß ja nichts verabsäumt werde.