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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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Sobald nun die Glocke eins geschlagen hatte, da konnte manWunder sehen, wie sie zu arbeiten anfingen. Viele hatten lange Säcke,darein ließen sie die Sonne scheinen bis auf den Boden; dann knüpftensie den Sack eilends zu und rannten damit in das Rathaus, den Tagauszuschütten. Andere thaten dasselbe mit verdeckten Gefäßen, alsHafen, Kesseln, Zubern, und was dergleichen ist. Einer lud den Tagmit einer Heugabel in einen Korb, der andere mit einer Schaufel;etliche gruben ihn aus der Erde hervor. Eines Schildbürgers soll be-sonders gedacht werden, welcher den Tag in einer Mausefalle zu fangengedachte und ihn so, mit List bezwungen, ins Haus tragen wollte.Jeder verhielt sich, wie es sein Narrenkopf ihm eingab. Und solchestrieben sie den lieben, langen Tag, solange als die Sonne schien, mitsolchem Eifer, daß sie vor Hitze fast verlechzten und unter der Müdig-keit fast erlagen. Sie richteten aber so wenig damit aus, als vor Zeitendie Riesen, da sie die Berge aufeinander türmten, um den Himmel zuerstürmen. Darum sprachen sie zuletzt: „Nun, es wäre doch eine feineKunst gewesen, wenn es geraten wäre!" Und darauf zogen sie ab undhatten doch so viel gewonnen, daß sie auf gemeine Kosten zum Weinegehen und sich so wieder erquicken und erlaben durften.

IV.

Auf eine Zeit verbreitete sich im Lande die Sage von einemgroßen Kriege. Die Schildbürger wurden für ihr Hab und Gut besorgt,es möchten ihnen dieselben von den Feinden weggeführt werden; be-sonders angst war ihnen um eine Glocke, die auf dem Rathause hing.Auf diese, dachten sie, könnte das Kriegsvolk ein besonderes Auge habenund Büchsen daraus gießen wollen. So wurden sie denn nach langemRatschlagen eins, dieselbe bis zu Ende des Krieges in den See zuversenken und sie, wenn der Feind abgezogen wäre, wieder herauszu-ziehen und aufzuhängen. Sie bestiegen also ein Schiff und fuhren mitder Glocke auf den See. Als sie aber die Glocke hineinwerfen wollten,da fiel es einem unter ihnen ein, wie sie den Ort denn auch wieder-finden könnten, wo sie die Glocke ausgeworfen hätten. „Da laß dirkeine grauen Haare darüber wachsen", sagte der Schultheiß und schnittmit dem Messer einen Kerb in das Schiff an dem Orte, wo sie dieGlocke in den See versenkten. „Hier beis dem Schnitte "^sprach er,„wollen wir sie wiedererkennen." So ward die Glocke hinausgeworfen