und versenkt. Lange nachher, als der Krieg vorüber war, fuhren siewieder auf den See, ihre Glocke zu holen. Den Kerbschnitt an demSchiffe fanden sie richtig wieder, aber den Ort, wo die Glocke war,zeigte er ihnen nicht an. So entbehrten sie forthin ihrer guten Glocke.
INS. Der rechte Barbier
Adelbert von Chamisso/^Gedichte.
t. ,,^nd soll ich nach Philisterartmir Kinn und Wange putzen,so will ich nieinen langen Bartden letzten Tag noch nutzen;ja! ärgerlich wie ich nun bin,vor meinem Groll, vor meinem Kinnsoll mancher noch erzittern.
2. Holla! Herr Wirt, mein Pferd! machtIhm wird der Hafer frommen, ffort!Habt ihr Barbierer hier im Ort?
Laßt gleich den rechten kommen!Waldaus, waldein, verfluchtes Land!Ich ritt die Kreuz und Quer und fanddoch nirgends noch den rechten. —
3. Tritt her, Bartputzer, aufgeschaut!Du sollst den Bart mir kratzen,
doch kitzlig sehr ist meine Haut;ich biete hundert Batzens;nur machst du nicht die Sache gut,und fließt ein cinz'ges Tröpflein Blut,fährt dir mein Dolch ins Herze".
4. Das spitze, kalte Eisen sahman auf dem Tische blitzen
und dem verwünschten Ding gar nahauf seinem Schemel sitzenden grimm'gen, schwarzbehaarten Mannim schwarzen, kurzen Wams, worannoch schwärz're Troddeln hingen.
5. Dem Meister wird's zu grausig fast:Er will die Messer wetzen,
er sieht den Dolch, er sieht den Gast,es packt ihn das Entsetzen;er zittert wie das Espenlaub,er macht sich plötzlich aus dem Staubund sendet den Gesellen.
6. „Einhundert Batzen mein Gebot,falls du die Kunst besitzest;
doch merk es dir, dich stech' ich tot,so du die Haut mir ritzest!"
Und der Gesell: ,Den Teufel auch!
Das ist des Landes nicht der Brauch.'Er läuft und schickt den Jungen.
7. „Bist du der rechte, kleiner Molch?Frisch aus! fang an zu schaben!
Hier ist das Geld, hier ist der Dolch,das beides ist zu haben!
Und schneidest, ritzest du mich bloß,so geb' ich dir den Gnadenstoß;du wärest nicht der erste".
8. Der Junge denkt der Batzen, druckstnicht lang und ruft verwegen:
,Nnr still gesessen! nicht gemuckst!
Gott geb' Euch seinen Segen!'
Er seift ihn ein, ganz unverdntzt,er wetzt, er stutzt, er kratzt, er putzt:.Gottlob! nun seid Ihr fertig!'
9. „Nimm, kleiner Knirps, dein Gelddu bist ein wahrer Teufel! fnnr hin,Kein andrer mochte den Gewinn,
du hegtest keinen Zweifel,es kam das Zittern dich nicht an,und wenn ein Tröpflein Blutes rann,so stach ich doch dich nieder!"
10. ,Ei, guter Herr, so stand es nicht,ich hielt Euch an der Kehle;verzückter Ihr nur das Gesicht,und ging der Schnitt mir fehle,so ließ ich Euch dazu nicht Zeit:entschlossen war ich und bereit,die Kehl' Euch abzuschneiden.' —