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dampft. Ich bin schon zehnmal in den Garten gelaufen, zu sehen,wie alles sich in die Höhe gerichtet hat und frisch und fröhlich steht,und möchte es immer wieder aufs neue thun. Was soll ich nun hierin der Stube anfangen? Den 103. Psalm habe ich schon durch, undes regnet immer noch fort! — Ich weiß nichts andres, als ich setzemich hin und schreibe einen Brief an Dich, obgleich ich kaum erst einenabgeschickt, damit sich nur meine Freude so etwas ausweiten kann.Du mußt mir's aber nicht übel nehmen, wenn ich je zuweilen Papierund Feder liegen lasse und trete erst einmal ans Fenster und sehedem lieben Wetter zu.
Ihr Städter wißt eigentlich gar nicht, was ein Regen ist! Wennbei euch unser Herrgott seine Brunnen ausschließt, so spannt ihr denSchirm auf, daß euch kein Tropfen an den Leib kommt, und geht wiedie Nürnberger unter dem Regen weg. Dazu läuft es von eurem Stein-pflaster so rasch ab, als es gekommen ist, und nach ein paar Stundensieht kein Mensch mehr etwas davon. Da ist's bei uns ganz anders.Wenn unsereins seinen Grund und Boden so ein dreißig-, vierzigmalmit dem Saattuch überlaufen und den Segen Gottes ebenso oft Herunter-gefahren hat, so ist es mit einer Scholle Land ordentlich zusammen-gewachsen. Wenn's dann dürre wird, oder es geht so acht, vierzehnTage lang ein trockener, hagerer Wind, dann geht das einem mit durchMark und Bein, und man fürchtet sich, einen Blick aus das liebeAckerland zu thun und macht's fast wie die Pflanzen, die den Tagüber den Kopf hängen und alle Abend und Morgen, wenn's kühl undstille ist, sich in die Höhe recken und zum lieben Gott um Regenbetteln. Ja, Vetter, unsereins hat nur immer zu wehren, daß ihmsein Korn und Kraut nicht zu sehr ans Herz wächst. Davon wißt ihrStadtleute alles nichts.
Ich habe mich noch einmal in den Garten gemacht und mit meinerFeldhacke in den Gurkenbeeten gescharrt, wie tief der Regen schon ge-drungen ist; es geht bereits über Hand und Daumen hoch durch, undes regnet immer noch. Vetter, es ist doch noch was ganz andres,wenn unser Herrgott die Gießkanne nimmt, als wenn sich unsereinsnoch so sehr damit abmüht. Denn erstlich: Einmal geregnet ist besser,als zehnmal begossen! sagt eine alte Bauernregel, und zweitens kriegtso jedes Hälmchen und Gräschen auf meilenweit in der Runde beimRegen sein Teil so gut mit zugemessen, als die Levkojen und der Gold-