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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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anfangs stillzustehen, wurde aber immer größer und nahte mit mäch-tigem Schnauben und Pusten und stieß aus dem Rachen gewaltigenDampf aus. Und hintenher — „Kreuz Gottes!" rief mein Pate, „dahangen ja ganze Häuser dran!" Und wahrhaftig, wenn wir sonst ge-dacht hatten, an das Lokomotiv wären ein paar Steirerwägelein ge-spannt, auf denen die Reisenden sitzen könnten, so sahen wir nun einenganzen Marktflecken mit vielen Fenstern heranrollen, und zu den Fen-stern schauten lebendige Menschenköpfe heraus, und schrecklich schnellging's, und ein solches Brausen war, daß einem der Verstand stillstand. Das bringt kein Herrgott mehr zum Stehen! fiel's mir nochein. Da hub der Pate die beiden Hände empor und rief mit ver-zweifelter Stimme: „Jessas, Jesfas, jetzt fahren sie richtig ins Loch!"Und schon war das Ungeheuer mit seinen hundert Rädern in derTiefe; die Rückseite des letzten Wagens schrumpfte zusammen, nur einLichtlein davon sah man noch eine Weile, dann war alles verschwunden;bloß der Boden dröhnte, und aus dem Loche stieg still und träge derRauch. Mein Pate wischte sich mit dem Ärmel den Schweiß vomAngesicht und starrte in den Tunnel. Dann sah er mich an und fragte:„Hast du's auch gesehen, Bub'?" — „Ich hab's auch gesehen". —„Nachher kann's keine Blenderei gewesen sein", murmelte der Jochem.

Wir gingen auf der Fahrstraße den Berg hinan; wir sahen ausmehreren Schachten Rauch hervorsteigen. Tief unter unseren Füßenim Berge ging der Dampfwagen. „Die sind verloren!" sagte meinPate und meinte die Eisenbahnreisenden. „Die übermütigen Leut' sindselber ins Grab gesprungen".

Beim Gasthause auf dem Semmering war es völlig still; diegroßen Stallungen waren leer, die Tische in den Gastzimmern, diePferdetröge an der Straße unbesetzt. Der Wirt, sonst der stolze Be-herrscher dieser Straße, lud uns höflich zu kurzer Rast ein. „Mir istaller Appetit vergangen," antwortete mein Pate, „gescheite Leut' essennicht viel, und ich bin heut um ein Stücke! gescheiter geworden." Beidem Denkmal Karls VI. standen wir still und sahen ins Österreicher-land hinaus, das mit seinen Felsen und Schluchten und seiner un-absehbaren Ebene vor uns ausgebreitet lag. Und als wir dann ab-wärts stiegen, da sahen wir drüben in den wilden Schroffwändenunsern Eisenbahnzug gehen — klein wie eine Raupe — und über hoheBrücken, fürchterliche Abgründe setzen, an schwindelnden Hängen gleiten.