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Schreiner, Näherinnen, Haushälterinnen, Lehrerinnen u. a. und unter-stützen sogar ihre armen Eltern. Fragt man aber den Direktor: „Wiehaben Sie das zustande gebracht?" so antwortet er: „O, das gingganz leicht. Mein Wahlspruch hieß immer: fröhlich und fleißig! Vonfrüher Jugend an müssen sich meine Kinder selbst helfen, selbst bedienen.Ich sage ihnen: Kinder, ihr könnt alles lernen, was die Sehenden,nur mit etwas mehr Anstrengung".
Wie ist aber Campbell ein so tapferer Mann geworden? — Er istim Jahr 1834 in Tenessee in Nordamerika als das jüngste Kind wohl-habender Eltern geboren worden. Als er 3'/? Jahre alt war, drang ihmbeim Spielen im Garten ein Dorn in die Augen, und weil kein ordent-licher Arzt in der Nähe war, verlor das Knäblein sein Augenlicht. „Alsich sechs Jahre alt war", so erzählt Campbell, „verlor mein Vater fastsein ganzesjVermögen, und wir mußten in einem abgelegenen Gebirgs-winkel eine Farm kaufen, auf der Vater, Mutter und Kinder strengarbeiteten. Nur ich durfte müßig sein und empfand oft schreckliche Lange-weile, besonders wenn die Geschwister in die Schule gingen. Damitmir nichts Übles geschehe, gab man mir weder Messer noch Schere.Einmal aber überließ mir die Mutter eine Axt, damit ich ein wenigHolz spalten könnte. Als der Vater heimkam, lobte er die Kinder, daßsie so fleißig Holz gespalten und geschichtet hätten, und verwunderte sichnicht wenig, als er erfuhr, daß ich der Thäter sei. In meinem zehntenJahr endlich entschloß sich der Vater, mich dem Blindeninstitut in Nash-ville sspr. Näschwillj zu übergeben. Hier bekam ich ein neues Testamentmit erhabenerSchrift. Das machte mich überglücklich, und in ^Stundenlernte ich das A.B C. Ich sollte auch singen. Ich machte es aber soschön, daß alles anfing zu lachen, und der Direktor sagte: ,Joseph istfür die Musik verloren'. Ich mußte nun, während die andern sangen.Körbe flechten und Bürsten binden. Das kränkte mich, und ich überredeteeinen Mitschüler, mich heimlich zu lehren, was er gelernt hatte. DreiMonate später saß ich am Klavier, als unser blinder Musiklehrereintrat und fragte: ,Wer spielt das Stück so gut?' Ich rief:.Campbell!' und nun verwunderte er sich erst recht. Fünfzehn Monatespäter gewann ich den ersten Preis im Klavierspielen".
Auch in den fremden Sprachen und der Mathematik machteCampbell so gute Fortschritte. Da seine Eltern immer ärmer wurden,mußte er daran gehen, sein Brot als Musiklehrer zu verdienen. Daneben