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Schweizerischer Jugendfreund : illustriertes Lesebuch für die Oberstufe der Volksschule
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G du Heimatflur, o du Heimatflur,laß zu deinem heil'gen Raummich noch einmal nur, mich noch einmalentflieht! im Traum! fnur

Als ich Abschied nahm, als ich Abschiedwar die Welt mir voll so sehr; fnahm,als ich wieder kam, als ich wiederkam,war alles leer.

Wohl die Schwalbe kehrt, wohl dieSchwalbe kehrt,und der leere Kasten schwoll;

ist Las Herz geleert, ist Las Herz geleert,wird's nie mehr voll.

Keine Schwalbe bringt, keine Schwalbedir zurück, wonach du weinst; springtdoch die Schwalbe singt, doch die Schwalbeim Dorf wie einst: ssingt

Als ich Abschied nahm, als ich Abschiednahm,

waren Kisten und Kasten schwer;als ich wieder kam, als ich wieder kam,war alles leer."

255. Gewisse Worte

Moritz Hartmann, Neuere Gedichte.

, Worte giebt's, die nie verhallen!Sie sind wie Steinchen, die gefallenin einen Brunnen schwarz und tief,und die von Kant' zu Kante springenund stets von neuem aufwärts klingen,wenn scheinbar längst ihr Ton entschlief.Es sind die Worte, die sich senkenin unsers Herzens tiefen Schacht:

Aus der Vergessenheiten Nachtklingt ewig neu ihr Angedenken.

Ich kehrte heim nach langen Jahren;des Lebens Wucht hatt' ich erfahren,gekostet auch des Lebens Freude:

Mit meiner Jugend zahlt' ich beide.Die Mutter hielt mich lang' umfangen,und als die erste Lust gestillt,sprach sie mit Tönen, traurig-mild:

O Gott, wie blaß sind deine Wangen!"

V Gott, wie blaß sind deine Wangen!"Es glückt mir nicht, aus meinem Herzen

die Mutterworte auszumerzen,ob Jahre drüber hingegangen.

Ob nun in Freude, ob in Leideder Wangen Frühling von mir scheide:die Worte sind mein treu Geleite;ich höre stets an meiner Seitein Tönen, traurigen und bangen:

O Gott, wie blaß sind deine Wangen!"

Und sitz' ich nachts allein und schauemit falt'ger Stirne, düst'rer Braue,tief zu des Bechers goldnem Grundeist's mir, als ob aus treuem Mundeheraus die Klageworte klangen:

O Gott, wie blaß sind deine Wangen!"

Fürwahr, ich glaube, wenn ich liegeeinst auf der schwarzen Totenwiege,wo mich kein Menschenlaut mag störenich werde noch die stillen, bangenund vorwurfsvollen Worte hören.-O Gott, wie blaß sind Leine Wangen!"

256. Ein gülden ABC.

Matthias Claudius, Auswahl aus den Werten des Wandsbecker Boten.

^.rmut des Geistes Gott erfreut, Armut und nicht Armseligkeit.Kesprich dich nicht mit Fleisch und Blut, fahr zu, gleich zu, wiePaulus thut.Creuz ist ein Kraut, wenn man es Pflegt, das ohne Blüte Früchte trägt.Dürst nicht nach Rache und nach Blut, vergeben wäre wohl so gut.