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Der Heimat zu.
n einem Spätsommerabend stieg ich bei der sinkenden Sonne
vorn Reußtal einen Alpenpaß hinan. Nachdem ich bis an
*■ den Fuß des Bergpasses mit der Eisenbahn gefahren, hatteich die ersten zwei Wegstunden in gemächlicher Steigung zu-rückgelegt, und da ich erst am andern Tage im Berneroberlandsein wollte, hatte ich keine große Eile. So setzte ich mich dennirgendwo am Wegrand zwischen Erika und Alpenrosenstaudennieder und nahm mein Abendbrot hervor, das ich im Rucksackmitgetragen.
Wie ich so mein Brot zum Munde führte, sah ich hintermir um eine Wegbiegung einen Wanderer im leichten Grustbergan streben. Den Rock am Arm, mit dem knorrigen Haken-stock tüchtig ausziehend, kam er heran, den dunkeln, breitkrem-pigen Wollhut schwer und tief auf der Stirne. Als er näherkam, gewahrte ich am spitzen Knie die mit grobem Faden ge-flickten Nähte, und die Schuhe mochten für ein ebenes Pflastergeschaffen worden sein; denn fast unhörbar, als ob er barfußginge, schritt er auf seinen dünnen Sohlen auf den steinernenPlatten daher. Ich hatte bemerkt, wie er mit kurzem Blickmeinen Imbiß gestreift, eh er an mir vorüberging.
„Guten Abend, Herr!“ Den Hut lüftend, schaute er mir nichtlänger ins Gesicht, als die graublauen Augen zum Gruße brauchten.
Als ich seinen Blick gewahrt hatte, war es ausgemacht, dulässest ihn nicht vorüber, ohne daß du dein Brot mit ihm geteilt.
„Noch weit im Sinn? noch weit?“ fragte ich und brachteihn so zum Stehen.
„So weit die da wollen!“ sagte er, mit dem Stock auf dieFüße deutend; aber, als ob es ihn reute, mir seine dünnen,armütigen Stiefel gezeigt zu haben, hob er den Blick, dabei noch ein-mal flüchtig meinen Vorrat streifend, nach der Steigung des Pfades:
„O der Weg ist nicht bös! Man kann schon in die Nachthinein wandern, und heute gibt’s Mondschein! “
Ich rückte ein wenig beiseite und nickte ihm ermunterndzu: „Wollt Ihr nicht ein bißchen verschnaufen?“ Zögernd setzteer sich auf die Seite, absichtlich eine Spanne Raum lassend zwi-schen sich und mir. Er legte den schweren Wollhut niederund wischte mit einem rotfarbigen Nastuch den Schweiß vonder sonnverbrannten, hohen, fast spitzen Stirn, unter der zwei