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Lesebuch für die Gemeinde- und Fortbildungsschulen des Kantons Aargau : 6.-8. Schuljahr: 6.-8. Klasse der Gemeindeschule und 1.-3. Klasse der Fortbildungsschule / im Auftr. des Erziehungsrates des Kantons Aargau unter Mitwirkung der kantonalen Lesebuchkommission verf. von Alfred Lüscher und Otto Ott
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und wer der Faulste wird erkannt,derselbige ist König im Land.

75 Wer wüst, wild und unsinnig ist,grob, unverständig zu aller Frist,aus dem macht man im Land einen Fürsten.

Wer gerne ficht mit Leberwürsten,aus dem ein Ritter wird gemacht,

80 und wer auf gar nichts weiter achtt

als auf Essen, Trinken und Schlafen, ^

aus dem macht man im Land einen Grafen.

Wer also lebt, wie obgenannt,der ist gut im Schlauraffenland,

85 in einem andern aber nicht.

Drum ist ein Spiegel dies Gedicht,

darin du sähest dein Angesicht. Hans Sachs

4. Das Kind am Brunnen:

1. Frau Amme, Frau Amme, das Kind ist erwacht!

Doch die liegt ruhig im Schlafe.

Die Vöglein zwitschern, die Sonne lacht,

am Hügel weiden die Schafe. «>

2. Frau Amme, Frau Amme, das Kind steht auf,es wagt sich weiter und weiter!

Hinab zum Brunnen nimmt es den Lauf;da stehen Blumen und Kräuter.

3. Frau Amme, Frau Amme, der Brunnen ist tief!

Sie schläft, als läge sie drinnen.

Das Kind läuft schnell, wie es nie noch lief;die Blumen lockens von hinnen.

4. Nun steht es am Brunnen, nun ist es am Ziel,nun pflückt es die Blumen sich munter.

Doch bald ermüdet das reizende Spiel;da schauts in die Tiefe hinunter.

5. Und unten erblickt es ein holdes Gesichtmit Augen so hell und so süße.

Es ist sein eignes, das weiß es noch nicht.

Viel stumme, freundliche Grüße!

6. Das Kindlein winkt; der Schatten geschwindwinkt aus der Tiefe ihm wieder.

Herauf! herauf! so meints das Kind;der Schatten: Hernieder! hernieder!