VI. Schuljahr
1. Der kleine Spießrutenläufer.
An meine ersten Schuljahre knüpft sich mein vielleicht bittersterMartergang. In der Klasse saßen einige hochaufgeschossene Rangen,die noch immer auf der Abc-Bank herumrutschten, trotzdem sie unsandern an Jahren beträchtlich voraus waren. Besondere Freude machtees ihnen, wenn sie von Zeit zu Zeit die Schule schwänzen konnten. Dasbrachte ihnen aber nichts, als doppelte und dreifache Langeweile; dennnach Lause durften sie nicht gehen, und Spielkameraden fanden sie nicht.Es blieb ihnen nichts übrig, als sich hinter einen Zaun hinzuducken oderin einem ausgetrockneten Wassergraben zu lauern, bis wir aus der Schuleheimgingen. Dann mischten sie sich unter uns und taten dergleichen, alsseien sie auch in der Schule gewesen. Nachher berichteten sie uns überihre Abenteuer. Da war einmal der Vater ganz dicht am Zaune vorbei-gegangen, das spanische Rohr, womit er sie durchzuwalken pssegte, inder Land. Er hatte sie nicht bemerkt. Ein anderes Mal war die Mutter,vom Spitz begleitet, an den Graben gekommen. Der Lund hatte sieausgeschnüffelt und die Mutter sie entdeckt. Jetzt mußte ihnen die Lügedurchhelsen, die Lehrerin habe sie hergeschickt, daß sie ihr Kamillenblumenpflücken. Dabei brüsteten sie sich wie alte Soldaten, die den verwundertenRekruten ihre Leldentaten erzählen, und die Schlußfolgerung lautetestets: Wir fürchten weder Peitsche, noch Stock; ihr bekommt höchstensdie Rute, und dennoch wagt ihr nichts! Dies war verdrießlich für uns,um so mehr als sich die Wahrheit nicht ganz in Abrede stellen ließ.
Eines Tages kam der Sohn eines Schuhslickers mit gebläutemRücken zur Schule und teilte uns mit, sein Vater habe ihn ertappt