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Bäumlein spricht: Nun bin ich stolz; golden« Blätter hat kein Baumim Holz!
4. Aber wie es Abend ward, gieng der Räuber durch den Wald,mit großem Sack und großem Bart; der sieht die goldnen Blätter bald;er steckt sie ein, geht eilends fort und läßt das leere Bäumlein dort.
5. Das Bäumlein spricht mit Grämen: Die goldenen Blätterdauern mich; ich muß vor den andern mich schämen; sie tragen soschönes Laub an sich! Dürft' ich mir wünschen noch etwas, so wünscht'ich mir Blätter von Hellem Glas.
6. Da schlief das Bäumlein wieder ein; und früh ist's wiederaufgewacht; da hatt' es gläserne Blätter fein; das war eine Pracht!Das Bäumlein spricht: Nun bin ich froh; kein Baum im Waldeglitzert so!
7. Da kam ein großer Wirbelwind mit einem argen Wetter, derfährt durch alle Bäume geschwind und kommt an die gläsernen Blätter;da lagen die Blätter von Glase zerbrochen in deni Grase.
8. Das Bäumlein spricht mit Trauern: Mein Glas liegt in demStaub; die andern Bäume dauern mit ihrem grünen Laub. Wenn ichmir noch was wünschen soll, wünsch' ich mir grüne Blätter wohl.
9. Da schlief das Bäumlein wieder ein, und wieder früh ist's auf-gewacht; da hatt' es grüne Blätter fein; das Bäumlein lacht undspricht: Nun hab' ich doch Blätter auch, daß ich mich nicht zu schämenbrauch'!
10. Da kommt mit vollem Euter die alte Geiß gesprungen; siesucht sich Gras und Kräuter für ihre Zungen; sie sieht das Laub undfragt nicht viel, sie frißt es ab mit Stumpf und Stiel.
11. Da war das Bäumlein wieder leer! Es sprach nun zu sichselber: Ich begehre nun keiner Blätter mehr, weder grüner, noch rother,noch gelber. Hätt' ich nur meine Nadeln, ich wollte sie nicht tadeln.
12. Und traurig schlief das Bäumlein ein, und traurig ist es auf-gewacht; da besieht es sich im Sonnenschein und lacht und lacht! AlleBäume lachen's aus; das Bäumlein macht sich aber nichts draus.
13. „Warum hat das Bäumlein denn gelacht, und warum dennseine Kameraden?" — Es hat bekommen in einer Nacht wieder alleseine Nadeln, daß jedermann es sehen kann; geh' nans, sich's selbst,doch rühr's nicht an! „Warum denn nicht?" Weil's sticht.
(Rückcrt.)