Buch 
Lesebuch für die Gemeinde- und Fortbildungsschulen des Kantons Aargau / im Auftr. des Erziehungsrates des Kantons Aargau unter Mitwirk. der kant. Lesebuchkommission verf. von Alfred Lüscher und Otto Ott / 6.-8. Schuljahr, 6.-8. Klasse der Gemeindeschule und 1.-3. Klasse der Fortbildungsschule
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dem Auge, das ihm blieb, an und flehte in seiner Todesangst uns an,und ich merkte in der Land, wie sein Äerzchen klopfte. Es war mirgerade, als hätte Sepp mir selber ins Auge gestochen, ich wartete denzweiten Stoß nicht ab, sondern eilte zum Fenster, riß es auf und warfden Vogel in die Freiheit. In jenem Augenblicke fühlte ich, daß einTier nicht ein Tier ist, so nämlich, wie nmn meint, sondern daß auchetwas drin steckt, wie in uns Menschen. In der Nacht drauf habe ichmehr geweint als geschlafen und den Entschluß gefaßt, kein Tier mehrzu quälen oder auch nur unsanft zu behandeln, und ich habe mein Wortgehalten. Merkst du jetzt, Bübli, warum es mich geschmerzt hätte, wennmich die Schwalben im Sterben alle geflohen hätten? Ich danke dereinen dort, daß sie gekommen ist. Du aber, Bübli, tu Tieren nie etwaszu leid! Menschen können Übeltäter verklagen und strafen, die Tieremüssen alles still dulden, und nicht einmal alle können zum Lümmelschreien. Ich habe mir jenes Augenausstechen bis zur Stunde nichtverziehen, und ich hätte nicht sterben können, ohne es einem Menschengebeichtet zu haben. Domini griff nach meiner Land und drückte sie,so gut es in seiner Schwäche noch ging, und ich drückte sie wieder, undvon da an lebte seine Liebe zu den Tieren auch in mir.

Als ich am folgenden Tag beim Frühstück erschien, sagte man mir,Domini sei in der Frühe gestorben. Mein Vater hatte bei ihm gewacht.Als der Tag anbrach und die Fenster sich erhellten, fing die Schwalbein ihrem Neste ihr Morgenlied zu singen an. Da öffnete Domini, dervon Stunde zu Stunde mehr zusammengesunken war, nochmals die Augenund suchte damit den Sätzger. Dann entschlummerte er lächelnd.

Ich stieg in die Kammer hinauf. Domini lag an der Wand aufeiner Bank ausgestreckt, er war wenig verändert und schien zu schlafen;der lange weiße Bart deckte seine Brust. Wie ich ihn anschaute undvon Schauern ergriffen wurde, flog eine Schwalbe herein, setzte sich überdem Toten auf ihr Nest und fing an, auf ihn herab zu singen, wasihr aus der Kehle mochte. Das nahm die Beklemmung von mir, undnun erst bemerkte ich, daß der gute Domiui lächelte. Mir schien, erlausche, und ich lauschte mit ihm und dachte bei der Weise, die dieSchwalbe ihrem toten Freunde sang, was er selber etwa gedacht hätte:In dem Liede ist auch etwas. I. Boßhart.

6. Der Alpbach.

Ich rannte über die Allmend und sprang mit einem verwegenenSatze in den fast ausgetrockneten Bergfluß, die Alp *), hinein.

') Im Kt. Schwy,.