Buch 
Lesebuch für die Gemeinde- und Fortbildungsschulen des Kantons Aargau / im Auftr. des Erziehungsrates des Kantons Aargau unter Mitwirk. der kant. Lesebuchkommission verf. von Alfred Lüscher und Otto Ott / 6.-8. Schuljahr, 6.-8. Klasse der Gemeindeschule und 1.-3. Klasse der Fortbildungsschule
Entstehung
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Seitenfenster, das nach dem Freien ging, auf einen Grasplatz, weitund flach; in dessen Mitte stund ein großer Nußbaum, wohl hundertSchritt vorn Haus; es lag aber alles dicht überschneit, denn es imChristmond war. Du siehst, sagte der König, die große Wiese hier.0 ja, warum denn nicht, rief ein Hofmann, des Königs Spaßmacher,halblaut dazwischen, es ist zwar eine von den unsichtbaren; dennsie ist über und über mit Schnee zugedeckt. Die Hofleute lachten;der König aber sprach zum Knaben: Laß dich ein loses Maul nichtirren! Schau, du sollst mir auf dem Hansel einen Ring rund umden Nußbaum in den Schnee hier reiten, und wenn es gut abläuft,soll aller Boden innerhalb des Ringes dein eigen sein! Da freutensich die Schranzen, meinend, es gäbe einen rechten Schnack; derFrieder wurde aber so freundlich, daß er die weißen Zähne nichtwieder unterbringen konnte. Das Roß ward vorgeführt, nachdem manihm zuvor den goldenen Frauensattel abgenommen; es jauchzte hellauf und alles Volk mit ihm, und Frieder saß oben mit einem Schwung.Erst ritt er langsam bis zur Wiese vor, hielt an und maß mit demAug nach allen Seiten den Abstand vorn Baum; dann setzt er denHansel in Trab und endlich in gestreckten Lauf; das ging wie ge-blasen, und es war eine Lust, ihm zuzusehen, wie sicher und wieleicht der Bursche saß. Er war aber nicht dumm und nahm den Kreisso weit, als er nur konnte; gleichwohl lief derselbe am Ende so schönzusammen, als wär er mit dem Zirkel gemacht. Mit Freudengeschreiward der Frieder empfangen; im Nu saß er ab, küßte den Hanselauf den Mund, und der König am Fenster winkt ihm herauf in denSaal. Du hast, sprach er zu ihm, dein Probstück wohl gemacht; dieWiese ist dein. Den Hansel anbelangend, den kann ich dir nichtwieder geben, ich hab ihn meiner Königin geschenkt; soll aber deinSchade nicht sein. Mit diesen Worten drückte er ihm ein Beuteleinin die Hand, gespickt voll Dublonen. Des war der Knabe sehr zu-frieden, zumal die Königin hinzusetzte, er möge alle Jahre zur Stadtkommen, in ihrem Schloß vorsprechen und den Hansel besuchen. Ja,rief der Frieder, und da bring ich Euch zur Kirchweih allemal einSäcklein grüne Nüss vorn Baum! Bleib es dabei! sagte die Königin.So schieden sie. Der Frieder lief heim durch all das Volksgewühlund Gejubel hindurch zu seinen Eltern. Der Peter hätte den Rittvon weitem heimlich mit angesehen, und jetzt tat er in seinem Herzenein Gelübde ich brauche ja wohl nicht zu sagen, worin es bestand.Genug, der Hansel und der Frieder hatten ihm wieder auf einengrünen Zweig geholfen; er wurde ein braver, ehrsamer Mann, dazuein reicher, der einen noch reichern Sohn hinterließ. Seit dieser Zeithat sich im ganzen Dorf kein Mensch an einem Tier mehr versündigt.

Fd. Möri! o.