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Lesebuch für die deutschen Primarschulen des Kantons Graubünden : 4. Schuljahr / [P. Conrad und A. Florin] ; hrsg. vom Kleinen Rat
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süß, daß die Menschen, groß und klein, sich in ihren Herzenfreu'n?

5. Wer das ist, und wer das kann und nicht müde wirddaran? Das ist Gott in seiner Kraft, der die lieben Blumenschafft.

28 . Die Tulpen und das Veilchen.

Es war im April. Drei Tulpen standen beieinander ausdem Gartenbeete. Die eine war gelb, die andere rot, die dritteweiß von Farbe. Stolz streckten sie ihre Stengel hervor undschauten recht keck in die Luft hinein. Da rief ihnen ein Veil-chen zu, das am Rande des Beetes stand:Nur nicht zu hochhinaus, damit euch kein Unglück begegnet!" Allein die Tulpenverachteten den Rat des bescheidenen Blümchens. Die rote bliessich nur noch mehr auf, bis sie platzte und ihre Blütenblätterschlaff herabhingen und verwelkten. Jetzt sah sie so jämmerlichaus, daß sie sich vor allen Blumen schämen mußte. Bald da-nach Zogen am Himmel schwarze Wolken heraus. Ein Windstoßfuhr über das Gartenbeet und knickte den Stengel der gelbenTulpe, weil sie sich nicht bücken wollte. Jetzt war ihre weißeSchwester noch allein übrig. Sie freute sich über das Unglückder andern und sprach:Nun habe ich allein die Ehre!"Aber in der folgenden Nacht kam ein Reif und beschädigte alles,was sich über den Boden erhoben hatte. Auch die Tulpe frorsehr an ihrem weißen Köpfchen und hätte sich gern unter dasschützende Laub verkrochen,- aber es war zu spät. AIs am näch-sten Morgen die warme Sonne über das Beet schien, hing daszarte Köpfchen der Tulpe ebenso schlaff herab wie die Häupterder stolzen Schwestern. Das Veilchen aber war unter demschützenden Grase vor allem Unglück bewahrt geblieben undblühte fröhlich noch viele Wochen lang fort.