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Lesebuch für die deutschen Primarschulen des Kantons Graubünden : 4. Schuljahr / [P. Conrad und A. Florin] ; hrsg. vom Kleinen Rat
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Verschiedenes.

—c—

1. Besuch bei einer Freundin.

Sufers, den 15. Oktober 1904.

Liebe Anna!

1. Wie schön war es doch bei Euch in Chur! SageDeinen lieben Eltern vielen Dank von mir für die Güteund Freundlichkeit, mit der sie mich in ihrem Hauseaufgenommen haben. Ich werde die herrlichen Herbst-tage, die ich bei Euch verlebte, nicht so leicht vergessen.Ich habe immer noch das buntfarbige Bild vor Augen,das sich von der Halde aus vor unsern Blicken aus-breitete: die Stadt mit dem Kranz von Obstgärten undWeinbergen und den in Rot, Grün und Gelb gekleidetenPizokel. Und wenn ich erst an die Lustbarkeiten inEurem Baumgarten und in Eurem Weinberg denke!

2. Jch muß meinen Geschwistern erzählen, wie wirZwetschgen vorn Baume geschüttelt haben. Dann wol-len sie immer wieder hören, wie wir auf Leitern stie-gen, um Apfel und Birnen zu pflücken. Du solltest sehen,was für Augen sie da machen! Sie wissen eben vonnichts anderm, als daß Tannzapfen an den Bäumen hän-gen. Die Apfel stecken bei uns in der Erde. Weißt Du,was das für eine Sorte ist?

3. Trotzdem ist’s auch bei uns schön. Komm dochin Deinen Wimtnelferien ein paar Tage zu uns. Dukannst uns helfen das Vieh hüten. Manchmal erlaubt unsder Vater, auf der Weide ein Feuer zu machen und Erd-äpfel zu braten. Das macht uns große Freude. WillstDu nicht kommen?

Nochmals herzlichen Dank und an Euch alle vieleGrüße von meinen Eltern und besonders von

Deiner XT .

Nina.