Buch 
Lesebuch für das fünfte Schuljahr
Entstehung
Seite
110
JPEG-Download
 

110

wölbte Straßen an. Auch das Land der wilden Rhätierin den Bündner Alpen wurde römisch.

Helvetien war sonst ein unwegsames Land gewesen; müh-sam ging die Reise durch Sumpf und Dickicht. Das wurdejetzt anders. Auf den trockenen, schnurgeraden Straßen machtendie Soldaten Märsche von 12 Stunden im Tage, und dieBeamten, die im Wagen reisten, gelangten mit größterSchnelligkeit von einem Ende des Landes zum andern. AuchHerbergen mit schönen und bequemen Gemächern waren unter-wegs für sie eingerichtet, so z. B. zu Claudia oder Kloten.Die große und reiche Hauptstadt des Landes war Aventikumam Murtnersee.

Die Haupistraße führte vom Genfersee über Aventikum,Bindonissa und Vitodurum (Winterthur) an den Bodensee.Den Flüssen entlang zogen sich Seitenstraßen hin, so längsder Limmat über Turikum (Zürich), am Zürcher- und Wallenseehin bis Curia (Chur) im Lande Rhätien (Bünden) und vondort über die Alpen nach Italien; so längs des Rheins überAugusta Raurakorum (Basel-Augst) nach Deutschland hinunter.

Ausgediente Soldaten ließen sich bleibend im Lande niederund trieben Feldbau. Auf ihr landwirtschaftliches Gehöftesuchten sie alles zu verpflanzen, was ihnen daheim in Italienlieb gewesen war. Sie zogen Äpfel und Birnen von deredeln Art, wie wir sie jetzt noch haben. An sonnigen Hügelnpflegten sie des Weinstocks; Kirschbäume schmückten die Wiesenmit ihrem Blütenschnee, und an der Wand des Hauses reifteder edle Pfirsich.

Beim Bau der Wohnung wurde vor allem aus auf guteErwärmung gesehen. Heizröhren bedeckten die Wände in ihrerganzen Höhe und Breite; sie waren aber schön überkleidet,und in herrschaftlichen Zimmern reichten bis zur Brusthöhegeschliffene Marmortafeln. Der Boden bestand häufig auslauter farbigen Steinwürfeln, die in ihrer Zusammensetzung