20. Die Frösche.
Ein grosser Teich war zugefroren;
Die Fröschlein, in der Tiefe verloren,
Durften nicht ferner quaken noch springen,Versprachen sich aber im halben Traum,
Fänden sie nur da oben Raum,
Wie Nachtigallen wollten sie singen.
Der. Tauwind kam, das Eis zerschmolz,
Nun ruderten sie und landeten stolz,
Und sassen am Ufer weit und breitUnd quakten wie vor alter Zeit.
J. W. Göthe..
21. Lohn der
Unterm Baume stand der Knabe,Reichte nicht bis an den Ast;Bettelte um eine GabeVon der Zweige reicher Last.
Und der Baum begann zu regenSeine Wipfel leis’ im Wind,Schüttelt einen ApfelregenNieder dem erstaunten Kind.
Was es .essen konnte, ass es,Alles essen konnt’ es nicht.Aber schon so viel besass es,Dass ihm noch viel mehr gebricht.
Freigebigkeit,
Einen Apfel wirft zum SpieleEs dem Geber ins Gesicht,Freut sich, dass er dort vorn StieleEinen reifen Bruder bricht.
Und so viel als niederfallen,Schleudert er hinauf, und treibtEs so lange, bis von allenFrüchten keine droben bleibt.
Was der kahle Baum nun denket?Zürnend wieget er das Haupt :»Weil ich dir so viel geschenket,Hast du alles mir geraubt.«
G. E. Leasing.
E. Die Idylle-
22. Der siebzigste Geburtstag.
Auf die Postille gebückt, zur Seite des wärmenden Ofens,
Sass der redliche Tamm, seit vierzig Jahren des DorfesOrganist, im geerbten und künstlich gebildeten Lehnstuhl,
Mit braunnarbichtem Jucht, voll schwellender Haare gepolstert.
Oft die Hände gefaltet, und oft mit lauterem MurmelnLas er die tröstenden Sprüch’ und Ermahnungen. Aber allmälig *Starrte sein Blick, und er versank in erquickenden Mittagsschlummer.Festlich prangte der Greis in gestreifter, kalmankener Jacke;
Und bei entglittener Brill’ und silberfarbenem Haupthaar