Weil keiner zugreift, bittet er ganz beschämt:
»Das’ hab ich böslich vor euch verleugnet, nehmt!« —Den Räubern aber wird’s wunderlich im Kopf,
Sie möchten lachen und spotten ob dem Tropf;
Und ihre Lippe findet doch keinen Laut,
Und ihr vertrocknetes, starres Auge taut.
Und in dem bleiernen Schlummer, den er schlief,
Regt sich in ihnen plötzlich der Imp’rativ,
Der wunderbare, das heil’ge Gebot: »Du sollt —
Du sollt nicht stehlen!« und vor der Hand voll GoldAufspringen sie, dann werfen sich all’ aufs Knie;
Ein tiefes Schweigen waltet; denn Gott ist hie.
Jetzt aber regt sich emsig die ganze Schar;
Der reicht den Beutel und der die Kette dar,
Ein dritter bringt das Pferd gesattelt, gerüst’t,
Das Messbuch reicht der Hauptmann — er hat’s geküsst.Dann helfen sie ihm zu Ross mit willigem Dienst,Nichts bleibt zurück vorn neuen Räubergewinst;
Ja, musste Herr Kant nur sein auf seiner Hut,
Dass sie ihm nicht auch schenkten gestohlen Gut.
Er scheidet, er teilt den Segen aus vorn Pferd,Wünscht’ ihnen gründliche Reu’, die sie bekehrt.
Nur dacht’ er traurig, als um die Eck’ er bog:
»Ihr armen Schelmen, ihr stehlet — und ich log.« —Doch als er kam zum finstern Wald hinaus,
Da war verschwunden der Sünde ganzer Graus,
Da stand der Morgenhimmel in roter Glut,
Da ward dem frommen Wanderer froh zu Mut.
»Dein Wille gescheh’ im Himmel und- auf der Erd!«So betet der Kant und gibt die Sporen dem Pferd.
G. Schwa
42. Die lustigen Musikanten.
Da sind wir Musikanten wieder,
Die nächtlich durch die Strassen zieh’n;Von unsern Pfeifen lust’ge LiederWie Blitze durch das Dunkel flieh’n. —Es brauset und sausetDas Tambourin,
Es prasseln und rasselnDie Schellen d’rin;
Die Becken hell flimmernVon tönenden Schimmern;