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Lehr- und Lesebuch für die Volksschule : 7. bis 9. Schuljahr (12. bis 15. Altersjahr) / von Ed. Schönenberger und B. Fritschi / Deutsche Sprache
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Wohl hatt er Knecht und[Mannen

Und hatt ein tüchtig Ross,Ging doch zu Fuss von dannenUnd liess daheim den Tross.

Es war sein ganz GeleiteEin Jagdspiess, stark und lang,An dem er über breiteWaldströme kühn sich schwang.

Nun hielt auf HohenstaufenDer deutsche Kaiser Haus.

Der zog mit hellen HaufenEinstmals zu jagen aus.

Er rannt auf eine BindeSo heiss und hastig vor,

Dass ihn sein JagdgesindeIm wilden Horst verlor.

Bei einer kühlen QuelleDa macht er endlich Halt;Gezieret war die StelleMit Blumen mannigfalt.

Hier dacht er sich zu legenZu einem Mittagsschlaf.

Da rauscht es in den Hägen,Und vor ihm stand der Graf.

Da hub er an zu schelten:»Treff ich den Nachbar hie?

'Zu Hause weilt er selten,

Zu Hofe kommt er nie!

Man muss im Walde streifen,Wenn man ihn sahen will,

Man muss ihn tapfer greifen,.Sonst hält er nirgends still.«

Als drauf ohn alle FährdeDer Graf sich niederliess,

Und neben in die ErdeDie Jägerstange stiess,

Da griff mit beiden HändenDer Kaiser nach dem Schaft:»Den Spiess muss ich mir pfänden,Ich nehm ihn mir zur Haft.«

»Der Spiess ist mir verfangen,Dess ich so lang begehrt!

Du sollst dafür empfangenHier dies mein bestes Pferd.Nicht schweifen im GewäldeDarf mir ein solcher Mann,

Der mir zu Hof und FeldeViel besser dienen kann.«

»Herr Kaiser, wollt vergeben !Ihr macht das Herz mir schwer.Lasst mir mein freies Leben,Und lasst mir meinen Speer!Ein Pferd hab ich schon eigen,Für eures sag ich Dank;

Zu Rosse will ich steigen,

Bin ich 'mal alt und krank.«

»Mit dir ist nicht zu streiten,Du bist mir allzu stolz!

Doch führst du an der SeitenEin Trinkgefäss von Holz;

Nun macht die Jagd mich dür-ften,

Drum tu mir das, Gesell!

Und gib mir eins zu bürstenAus diesem Wasserquell! «

Der Graf hat sich erhoben;Er schwenkt den Becher klar,Er füllt ihn an bis oben,

Hält ihn dem Kaiser dar.

Der schlürft mit vollen ZügenDen kühlen Trank hinein,

Und zeigt ein solch Vergnügen,Als wärs der beste Wein.

Dann fasst der schlaue Zecherden Grafen bei der Hand:

»Du schwenktest mir den BecherUnd fülltest ihn zum Rand,

Du hieltest mir zum MundeDas labende Getränk

Du bist von dieser StundeDes deutschen Reiches Schenk!

L. Uhland.