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55. Tell’s Tod.
Grün wird die Alpe werden,Stürzt die Lawin’ einmal;
Zu Berge zieh’n die Herden,Fuhr erst der Schnee zu Tal.Euch stellt, ihr Alpensöhne,
Mit jedem neuen JahrDes Eises Bruch vorn FöhneDen Kampf der Freiheit dar.
Da braust der wilde SchächenHervor aus seiner Schlucht,
Und Fels und Tanne brechenVon seiner jähen Flucht.
Er hat den Steg begraben,
Der ob der Stäube hing,
Hat weggespühlt den Knaben,Der auf dem Stege ging.
Und eben schritt ein and’rerZur Brücke, da sie brach;
Nicht stutzt der greise Wand’rer,Wirft sich dem Knaben nach,Fasst ihn mit Adlerschnelle,Trägt ihn zum sichern Ort;
Das Kind entspringt der Welle,Den Alten reisst sie fort.
Doch als nun ausgestossenDie Flut den toten Leib,
Da stehn um ihn, ergossenIn Jammer, Mann und Weib.Als kracht in seinem GrundeDes Rotstocks Felsgestell,Erschallt’s aus einem Munde:»Der Teil ist tot, der Teil!«
Wär' ich ein Sohn der Berge,Ein Hirt am ew’gen Schnee,Wär’ ich ein kecker FergeAuf Uri’s grünem See,
Und trät’ in meinem HarmeZum Teil, wo er verschied,
Des Toten Haupt im Arme,Spräch’ ich mein Klagelied:
»Da liegst du, eine Leiche,Der aller Leben war;
Dir trieft noch um das bleicheGesicht das greise Haar.
Hier steht, den du gerettet,
Ein Kind, wie Milch und Blut,Das Land, das du entkettet,Steht rings in Alpenglut.
»Die Kraft derselben Liebe,Die du dem Knaben trugst,Ward einst in dir zum Triebe,Dass du den Zwingherrn schlugst.Nie schlummernd, nie erschrocken,War Retten stets dein Brauch,Wie in den braunen Locken,
So in den grauen auch.
»Wärst du noch jung gewesen,Als du den Knaben fingst,
Und wär'st du dann genesen,Wie du nun untergingst,
Wir hätten d’raus geschlossenAuf kiinft’ger Taten Ruhm;Doch schön ist nach dem grossenDas schlichte Heldentum.
»Dir hat dein Ohr geklungenVorn Lob, das man dir bot,Doch ist zu ihm gedrungenEin schwacher Ruf der Not.
Der ist ein Held der Freien,Der, wann der Sieg ihn kränzt,Noch glüht, sich dem zu weihen,Was frommet und nicht glänzt.
»Gesund bist du gekommenVorn Werk des Zorns zurück,Im hilfereichen, frommenVerliess dich erst dein Glück.Der Himmel hat dein LebenNicht für ein Volk begehrt,
Für dieses Kind gegeben,
War ihm dein Opfer wert.