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Und jedes Volk sich für sich selbst regiert,
So sind wir eines Stammes doch und Blut’s,
Und eine Heimat ist’s, aus der wir zogen.
Winkelried.
So ist es wahr, wie’s in den Liedern lautet,
Dass wir von fern her in das Land gewallt?
0 teilt’s uns mit, was euch davon bekannt,
Dass sich der neue Bund am alten stärke.
St auffacher.
Hört, was die alten Hirten sich erzählen.
— Es war ein grosses Volk, hinten im LandeNach Mitternacht, das litt von schwerer Teu’rung.
In dieser Not beschloss die Landsgemeinde,
Dass je der zehnte Bürger nach dem LosDer Vater Land verlasse. — Das geschah!
Und zogen aus, wehklagend Männer und Weiber,
Ein grosser Heerzug, nach der Mittagssonne,
Mit dem Schwert sich schlagend durch das deutsche Land,Bis an das Hochland dieser Waldgebirge;
Und eher nicht ermüdete der Zug,
Bis dass sie kamen in das wilde Tal,
Wo jetzt die Muotta zwischen Wiesen rinnt —
Nicht Menschenspuren waren hier zu sehenNur eine Hütte stand am Ufer einsam.
Da sass ein Mann und wartete der Fähre —
Doch heftig wogete der See und warNicht fahrbar; da besahen sie das LandSich näher und gewahrten schöne FülleDes Holzes und entdeckten gute Brunnen,
Und meinten, sich im lieben VaterlandZu finden. — Da beschlossen sie zu bleiben,Erbaueten den alten Flecken Schwyz,
Und hatten manchen sauren Tag, den WaldMit weitverschlung’nen Wurzeln auszuroden —
D’rauf, als der Boden nicht mehr gnügen tatDer Zahl des Volks, da zogen sie hinüberZum schwarzen Berg, ja, bis ans Weissland hin,
Wo hinter ew’gem Eiseswall verborgen,
Ein and’res Volk in andern Zungen spricht.
Den Flecken Stanz erbauten sie am Kernwald,
Den Flecken Altorf in dem Tal der Reuss —
Doch blieben sie des Ursprungs stets gedenk;
Aus all’ den fremden Stämmen, die seitdemIn Mitte ihres Land’s sich angesiedelt,